Juli Zeh

Nullzeit

Roman
Cover: Nullzeit
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt/Main 2012
ISBN 9783895614361
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Eigentlich ist die Schauspielerin Jola mit ihrem Lebensgefährten Theo auf die Insel gekommen, um sich auf ihre nächste Rolle vorzubereiten. Als sie Sven kennenlernt, entwickelt sich aus einem harmlosen Flirt eine fatale Dreiecksbeziehung, die alle bisherigen Regeln außer Kraft setzt. Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer tauschen die Plätze. Sven hat Deutschland verlassen und sich auf der Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Keine Einmischung in fremde Probleme - das ist sein Lebensmotto. Jetzt muss Sven erleben, wie er vom Zeugen zum Mitschuldigen wird. Bis er endlich begreift, dass er nur Teil eines mörderischen Spiels ist, in dem er von Anfang an keine Chance hatte. Juli Zehs neuer Roman ist ein Psychothriller in der Tradition von Patricia Highsmith, bei dem der Leser, genau wie Sven, alle Gewissheiten verliert. Zugleich gelingt Juli Zeh ein Kammerspiel über Willensfreiheit, Urteilsfindung, Schuld und Macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2012

Erfreut stellt Rezensent Burkhard Müller fest, dass Juli Zeh in ihrem neuen Roman "Nullzeit" auf all das verzichtet, was ihn am Vorgängerroman "Schilf" gestört hat: Die Handlung erscheint dem Kritiker hier weniger absurd, die Figuren glaubwürdiger und auch Zehs Sprache sei nicht mehr so "schnörkelig". Und so folgt er gespannt dem Aussteigerpaar Sven und Antje, die Deutschland verlassen haben, um sich auf einer Kanareninsel ganz ihrer Tauchschule zu widmen und deren Ruhe bald empfindlich durch das Auftauchen der ebenso neurotisch-labilen wie aufreizenden Schauspielerin Jola und ihrem Schriftstellerfreund Theo gestört wird. Während der Rezensent das reizvoll geschilderte Zusammentreffen der beiden äußerst unterschiedlichen Paare mit Interesse gelesen hat, muss er leider gestehen, dass der Roman im Laufe der Lektüre an Anziehungskraft verliert. Auch Zehs Entscheidung, ihre Erzählung mit Jolas Tagebucheinträgen "rhythmisch" zu unterbrechen, kann der Kritiker, der sich mehr "Schauder" gewünscht hätte, bald nicht mehr viel abgewinnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.08.2012

Jörg Magenau kann sich nicht wirklich erwärmen für Juli Zehs neuen Roman "Nullzeit". Er sieht darin den Versuch der Autorin, sich einmal in einem anderem Metier, dem Psychothriller, zu versuchen. Nun hat die Geschichte um zwei Pärchen auf Lanzarote, um gegenseitige Verstrickungen, Intrigen, Sex und Mordversuche in seinen Augen durchaus Anlagen zu einem solchen. Allerdings fallen die Figuren in ihrem Denken und Handeln zu seinem Bedauern derart langweilig, ihre Psychen derart flach aus, dass ein Psychothriller keine Chance hat. Zudem moniert er den haarsträubenden Plot, durch den die Geschichte letztlich völlig unglaubwürdig wirkt. Interessant scheint ihm nur der irritierende Kontrast der Wahrnehmungen des Tauchlehrers Sven, des einen Erzählers, und der Wahrnehmungen der Schauspielerin Jola, die in deren Tagebuchaufzeichnungen sichtbar werden. Dennoch: der Titel des Romans beschreibt den Inhalt desselben nach Ansicht des Rezensenten ziemlich genau.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2012

Durchwachsen findet Andreas Platthaus Juli Zehs neuen Roman "Nullzeit". Der um zwei Paare auf Lanzarote kreisende Roman möchte nach seinen Angaben ein Psychothriller sein. Die Voraussetzungen - die Idee, das Setting - dafür scheinen Platthaus auch gar nicht schlecht. Zu seinem Bedauern sind aber nur zwei der vier Hauptfiguren interessant, zwei bleiben "Abziehbilder". Zudem fehlt dem Werk als Psychothriller in seinen Augen die nötige "psychologische Tiefe".  Außerdem findet er in dem Werk einige Fehler, die in seinen Augen eigentlich nicht passieren dürften, etwa die Schilderung eines Staatsexamens, das es so gar nicht gegeben haben kann. Andererseits gefällt ihm Zehs Beschreibung des Tauchens, die ihn "fast elegisch" anmutet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.08.2012

Hubert Winkels ordnet Juli Zehs neuen Roman kenntnisreich ins Werk der Autorin ein: Wie alle literarischen Bücher habe auch "Nullzeit" Kammerspielqualitäten, inhaltlich verarbeite es die Handlung von "Spieltrieb" weiter, konzeptuell schließe es eher an "Schilf" an. Erzählt wird die Geschichte von Sven, einem Juristen, der nach Lanzarote ausgewandert ist und dort eine Tauchschule betreibt, erfahren wir. Svens Perspektive wird jedoch relativiert durch abweichende Beschreibungen in den Tagebuchaufzeichnungen der Schauspielerin Jola, die zusammen mit ihrem Freund Theo Tauchgänge bei Sven absolviert. Zeh erzählt die sich anbahnende Dreiecksgeschichte "trocken im Ton, spröde, schnell und theatralisch pointiert in den Dialogen", findet der Rezensent, dem dennoch irgendwann das Interesse an den Figuren abhanden kommt. Die vielen Fragen, die sich ihm stellen, bleiben unbeantwortet, und so folgt er schließlich "räsonierend einem höheren Verwirrspiel mit literatur-didaktischem Aplomb".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.08.2012

Leichtfüßig, blitzgescheit und höchst zeitgenössisch findet Judith von Sternburg den neuen Roman von Juli Zeh. Die auf Lanzarote angesiedelte Dreiecksgeschichte zwischen dem Tauchlehrer Sven, seiner Freundin und der jungen Tauchschülerin Jola wirkt auf sie irgendwann allerdings etwas zu perfekt. Zwar strotze der Roman vor schönen Formulierungen wie "Der einzig passende Ort für all das ist die Vergangenheit", doch sei der Roman letztlich weniger als die Summe seiner Einzelsätze. Das Geschehen kommt recht sorglos daher, findet Sternburg, die der Autorin den Psychothriller, den sie angesichts kleiner Highsmith-Anklänge hier vermutet, schließlich gar nicht mehr abnimmt - zu wenig Psycho, zu wenig Thriller, meint sie, aber solide und bestimmt äußerst verfilmbar.
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