Jürgen Müller

Der sokratische Künstler

Studien zu Rembrandts Nachtwache
Cover: Der sokratische Künstler
Brill Verlag, Leiden 2015
ISBN 9789004285255
Gebunden, 360 Seiten, 143,00 EUR

Klappentext

Mit 96 farbigen Abbildungen. Im Fokus der Studie steht eine neue Deutung von Rembrandts Nachtwache aus dem Jahre 1642. Zentral ist dabei die Auseinandersetzung des Malers mit der klassizistischen Kunsttheorie von Franciscus Junius. Dessen Werk "De pictura veterum" war 1637 in lateinischer und 1641 in niederländischer Sprache erschienen. So lautet die These, dass Rembrandts Gruppenporträt auf eine Kritik italienisch-klassizistischer Imitatio-Konzepte zielt und zugleich Werke der Antike und der italienischen Hochrenaissance ironisiert. Der Leidener Maler orientiert sich an Raffaels Schule von Athen, um damit implizit die Frage angemessener und unangemessener Nachahmung zu stellen. Die Studie insgesamt will zeigen, wie differenziert Rembrandt mit Vorbildern umzugehen vermag. Steht auch die Nachtwache im Zentrum der Untersuchung, so werden auch andere Gemälde sowie Radierungen und Zeichnungen interpretiert und nach der ironischen Dimension von Rembrandts Kunst im Ganzen gefragt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2016

Eigentlich, dachte Franz Zelger, sei über Rembrandts "Nachtwache" schon alles gesagt. Doch wie Jürgen Müller in seinem Band die ironischen Bildstrategien des Leidener Künstlers entschlüsselt, findet der Rezensent ebenso beachtlich wie überzeugend. Müller verortet die "Nachtwache" weniger in einem staatstragenden Kontext engagierter Wehrhaftigkeit als vielmehr in einer bösen satirischen Auseiandersetzung um den niederländischen Kunstrichter Franciscus Junius, der in der Kunst die Schule der Imitatio gegen die der Inventio hochhielt, wie der Rezensent erklärt. Und um dessen Lehre zu persiflieren habe Rembrandt in sein Werk so viele Zitate und Anspielungen eingebaut, dass es in Müllers Augen zu einem wichtigen Beitrag der "Querelle des Anciens et des Modernes" geworden sei.

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