Mit 96 farbigen Abbildungen. Im Fokus der Studie steht eine neue Deutung von Rembrandts Nachtwache
aus dem Jahre 1642. Zentral ist dabei die Auseinandersetzung des Malers
mit der klassizistischen Kunsttheorie von Franciscus Junius. Dessen
Werk "De pictura veterum" war 1637 in lateinischer und 1641 in
niederländischer Sprache erschienen. So lautet die These, dass
Rembrandts Gruppenporträt auf eine Kritik italienisch-klassizistischer
Imitatio-Konzepte zielt und zugleich Werke der Antike und der
italienischen Hochrenaissance ironisiert. Der Leidener Maler orientiert
sich an Raffaels Schule von Athen, um damit implizit die Frage
angemessener und unangemessener Nachahmung zu stellen. Die Studie
insgesamt will zeigen, wie differenziert Rembrandt mit Vorbildern
umzugehen vermag. Steht auch die Nachtwache im Zentrum der
Untersuchung, so werden auch andere Gemälde sowie Radierungen und
Zeichnungen interpretiert und nach der ironischen Dimension von
Rembrandts Kunst im Ganzen gefragt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2016
Eigentlich, dachte Franz Zelger, sei über Rembrandts "Nachtwache" schon alles gesagt. Doch wie Jürgen Müller in seinem Band die ironischen Bildstrategien des Leidener Künstlers entschlüsselt, findet der Rezensent ebenso beachtlich wie überzeugend. Müller verortet die "Nachtwache" weniger in einem staatstragenden Kontext engagierter Wehrhaftigkeit als vielmehr in einer bösen satirischen Auseiandersetzung um den niederländischen Kunstrichter Franciscus Junius, der in der Kunst die Schule der Imitatio gegen die der Inventio hochhielt, wie der Rezensent erklärt. Und um dessen Lehre zu persiflieren habe Rembrandt in sein Werk so viele Zitate und Anspielungen eingebaut, dass es in Müllers Augen zu einem wichtigen Beitrag der "Querelle des Anciens et des Modernes" geworden sei.
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