Ein Gedichtband als Brief. In derselben Bewegung, in der sich die Gedichte der Welt zuwenden, schließen sie sich zugleich von ihr ab, verbergen den innersten Kern der Empfindung in der lyrischen Verlautbarung: "Inbilder verweigern sich Worten." Dieser Geheimbrief ist Anverwandlung des Lebens und Amalgam von Erinnerung. Immer wieder weist er über das Diesseits hinaus, wird "Einsames Sprechen schriftlich. / Das letzte Wort hat ein Fremder". Schreibend umkreist die Dichterin den innersten Kern menschlicher Existenz und fasst in poetische Bilder, was die Alltagsrede nicht zu sagen vermag: "Zu einer schwarzen Beere / ist mein Leben geschrumpft, / ist bitter, / hält sich verborgen, hoffend, / der Dunkle Vogel / finde sie nicht."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2009
Angetan ist Michael Braun von diesem Band mit neuen Gedichten der inzwischen 87-jährigen Autorin Erika Burkart. Die Gedichte führen für ihn die Suche der Dichterin nach Naturmagie und romantischer Passion fort. Im Vordergrund sieht er dabei dieses Mal aber nicht die Beschwörung einer Einheit von Ich und Kosmos, sondern Themen wie Vergänglichkeit, Selbstvergewisserung, Lebensbilanz. An wenigen Stellen sei die Autorin versucht, einen "schlichten Gegensatz von Naturmagie und technischem Funktionalismus auszubauen". Die kulturkritische Absicht darin ist ihm zu offensichtlich. Doch fällt das für Braun nicht wirklich negativ ins Gewicht. Meist obsiegt für ihn die glasklare Perzeption der Autorin und ihre für die Welt offene Sprache.
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