Aus dem Englischen von Cornelius Hartz. Als im Jahr 402 n. Chr. eindringende Stämme aus dem Norden Mailand belagerten, verlegte der weströmische Kaiser Honorius den Regierungssitz nach Ravenna. Bis ins Jahr 751 war die goldglänzende Stadt an der Adria zunächst die Hauptstadt des Weströmischen Reiches, dann die des riesigen Königreichs des Goten Theoderich und schließlich das Zentrum der byzantinischen Macht in Italien. Die überwältigend schönen Kirchen mit ihren Mosaiken, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, zeugen von dieser Zeit des Umbruchs, aus der das christliche Europa hervorging. Die Althistorikerin und Byzantinistin Judith Herrin porträtiert diese Stadt und ihre Bewohner in der Epoche des Übergangs zwischen Spätantike und Frühmittelalter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2023
Dass Ravenna es verdient, als europäische Adria-Metropole wahrgenommen zu werden: Das ist nach Ansicht von Rezensent Andreas Kilb das große Verdienst des Buches von Judith Herrin. Die Anekdoten, die die britische Byzantinistin rund um die fast 2000 Jahre alte Stadt zu erzählen weiß, hat der Rezensent mit Vergnügen gelesen und ihm gefällt auch die Übersichtlichkeit, mit der Herrin die 500 entscheidenden Jahre Ravennas - von Kaiser Honorius bis zu Karl dem Großen - sortiert. Allein: In der Schilderung der Ups and Downs von Ravenna fehlt ihm die Tiefe. Herrin habe zwar alle relevanten Quellen genutzt, aber auf eine eigene Deutung verzichtet, bedauert Kilb. Ihm fehlt hie und da die "Vogelperspektive", aus der Herrin die Anekdoten und Geschichten hätte verbinden können.
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