Nowolipie - Meine jüdische Straße
Aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann.

Arco Verlag, Wuppertal 2023
ISBN
9783965870406
Broschiert, 300 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann. Das mondäne Warschau war in der Zwischenkriegszeit nicht nur das "Paris des Ostens", sondern zugleich die Heimat der größten jüdischen Gemeinschaft in Europa. Es ist diese noch friedliche, quirlige, polnisch-jiddische Welt in der Nachbarschaft seiner Nowolipie-Straße, die Józef Hen wachruft, beschreibt und so bewahrt: Das Stadtviertel Muranów, die Mädchen im Weichselstrandbad Makabi, die den Ragtime oder Continental singen, die Kinos, der Pariser Schick, den die Schneider verheißen, die Zänkereien und Skandälchen, die von ihm verschlungenen Bücher. Das Warschau, das Józef Hen als Kind staunend aufsog, gibt es nicht mehr. Er erlebte noch die Bombardierung der Stadt im September 1939 und den Einzug der deutschen Truppen im Oktober, ehe er floh. Damit endet sein Buch. Im April 1943 verschwand dann inmitten der Stadt, was die deutschen Besatzer zum Ghetto gemacht hatten, nach langem entschlossenem Widerstand seiner jüdischen Verteidiger. Sie zeigten der Welt, wie Todesmut der Aussichtslosigkeit und Übermacht trotzt. Auch von der Nowolipie-Straße blieb nichts als eine schwelende Trümmerlandschaft - und die Erinnerungen. Józef Hens Nowolipie ist ein großes Zeugnis nicht nur jüdischen Lebens - und ein Gedächtnisbuch für Juden, die ihre Verfolgung nicht überlebten, darunter die Seinen: sein Vater, sein Bruder, seine Schwester.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2024
Hundert Jahre alt ist der polnische Schriftsteller Józef Hen nun, und endlich liegt das Erinnerungsbuch an seine Jugend wieder auf Deutsch vor, freut sich Kritikerin Marta Kijowska: Hen ist als Jude in Warschau aufgewachsen, er erinnert sich an das Familienleben in der titelgebenden Straße Nowolipie, Urlaub in Michalin und Swider, an das ganz alltägliche Leben. Die erzählte Zeit endet 1939 und dennoch nimmt der Autor manches vorweg, was danach kam, stellt Mutmaßungen an, was mit seinen Nachbarn passiert ist, verrät Kijowska. So ist das Buch für sie nicht nur von Nostalgie getragen, sondern auch von der Trauer um das, was unwiederbringlich verloren ist. Es gibt noch einen zweiten Teil der Erinnerungen, der 1939 einsetzt, die Rezensentin hofft, auch diesen bald auf Deutsch lesen zu können.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.11.2023
Rezensentin Viktoria Großmann gratuliert dem Schriftsteller Józef Hen zum hundertsten Geburtstag und auch zu diesem Roman, der 1991 erstmals in Polen erschien. Hen, geboren in Warschau, schildert in seinem schmalen Buch eben jene "jüdische Straße", in der er aufwuchs und die von den deutschen Besatzern dem Erdboden gleich gemacht wurde. Der Autor beschreibt sich als tollpatschiges Kind, das mit seinem älteren Bruder konkurrieren wollte. Das Buch enthält die "Essenz seines Lebens" und ein Bild der Zeit, so die Kritikerin, die froh ist, dass dieser Band in einer Neuübersetzung von Roswitha Matwin-Buschman erscheint.