Sie sind uns vertraut wie Familienmitglieder, ihr Schicksal bewegt uns oft mehr als das anderer Menschen, und doch bleiben sie fremde Natur: Seit Jahrtausenden begleiten uns Haustiere als Nutzbringer, treue Kameraden oder auch nur Gäste. Doch wie über nahe Verwandte wissen wir auch über die selbstverständlichen tierischen Gefährten oft am wenigsten. Kundig und voller Charme erzählt Josef H. Reichholf vom unbekannten Leben und der Geschichte der Haustiere und fördert dabei Unerwartetes zutage, denn nicht immer ist ausgemacht, wer im Verhältnis von Tier und Mensch den anderen domestiziert oder wer sich zu wem gesellt hat. Dabei blickt er mal liebevoll, mal kritisch, aber immer mit großer persönlicher Hingabe auf das Schicksal von Katze, Hausmaus, Rind und Co, wodurch auch die Extreme unserer eigenen Beziehung zur Natur ins Auge springen: Während Hunde und Katzen oft als verhätschelter Ersatz für ein dürftiges Sozialleben herhalten müssen, werden Nutztiere in Massentierhaltung zu lebenden Maschinen degradiert. So stehen wir vor der existenziellen Frage, wie wir mit Lebewesen umzugehen haben, die von uns geschaffen wurden und ohne uns nicht mehr zu überleben wüssten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2018
Rezensent Matthias Glaubrecht macht sich mit Josef Reichholf auf einen Rundgang durch Ställe und Stätten der Tier-Domestikation. Reichholfs kritische Tierminiaturen über Hund, Schwein und Hausmaus liest er gern, sind sie doch gut erzählt und bieten Unerwartetes, nachdenklich Stimmendes. Tiefere Aspekte der Domestikation reißt der Begleitband zur Ausstellung im Hygienemuseum Dresden allerdings nur an, bedauert Glaubrecht.
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