Jonas Kreienbaum stößt mit seiner Untersuchung der kolonialen Konzentrationslager im südlichen Afrika in ein derzeit intensiv und kontrovers diskutiertes Forschungsfeld vor, das sich vornehmlich um die Frage dreht, ob von einer Kontinuität der kolonialen Lager unter deutscher Herrschaft in Südwestafrika bis zu den nationalsozialistischen Lagern des NS-Regimes auszugehen ist. Anhand verschiedener Kriterien vergleicht er die kolonialen und nationalsozialistischen Lager und stellt eindeutig fest, dass die Unterschiede in hohem Maße überwiegen. Der Primärzweck der kolonialen Lager war ein militärischer, intentionale Vernichtung gab es in den kolonialen Lagern nicht. Die vielfache Einrichtung von Konzentrationslagern um 1900 war (auch) ein Produkt von transnationalen Austauschprozessen, die die Konzentrationspolitiken allerdings im Zusammenspiel der strukturellen Faktoren vor Ort, der lokalen Traditionen und einer geteilten "kolonialen Kultur" beeinflussten. Dieses Zusammenspiel ist in der Forschung bislang nicht berücksichtigt worden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2015
In seiner Rezension zeichnet der Würzburger Historiker Peter Hoeres die Forschungsergebnisse Kreienbaums in wesentlichen Punkten nach. Zwei Erkenntnisse nimmt der Rezensent aus dem Band mit: Konzentrationslager waren eine Erfindung der Kolonialzeit, sie dienten dazu, bestimmte Elemente der einheimischen Bevölkerung abzuschotten, um den Widerstand gegen die Kolonisierung zu unterdrücken. Spanier unterhielten solche Lager gegen Kubaner, Briten in Südafrika gegen Buren, und Deutsche gegen Herero. Aber ein Punkt ist dabei essenziell: Diese Lager dienten nicht der Vernichtung. Die Todesfälle erklärten sich aus schlechter Versorgung und Fahrlässigkeit. Die zweite Erkenntnis ist für Hoeres, dass es keine Verbindunglinie zwischen den Lagern der Kolonialzeit und den späteren Lagern der Nazis gibt. Die Nazis bezogen sich nicht auf die Kolonialzeit und auch nicht auf Vorbilder anderer kolonialistischer Nationen, so Hoeres. Er spricht es nicht eigens aus, aber sein Gesamteindruck vom Buch dürfte positiv sein.
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