Opportunisten lösen Empörung und Bewunderung zugleich aus. Sie gelten als prinzipienlose, den eigenen Vorteil suchende Anpasser genauso wie als Meister im Ergreifen der günstigen Gelegenheit, der opportunity. Dieser Doppeldeutigkeit spürt Jonas Helbig nach. In den Blick gerät so eine Geschichte, die im 19. Jahrhundert beginnt, bis heute anhält und sich in den Bereichen Strafrecht, Ökonomie und Politik abspielt. Zum einen handelt sie von der Erschütterung der dominanten Verhaltenslogiken jener Bereiche durch die massenhaft betriebenen, innerhalb einer Grauzone zwischen Anpassung und Abweichung verorteten Opportunismen von Gelegenheitsverbrechern, listigen Wirtschaftsakteuren und kompromissfreudigen Politikern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2016
Rainer Blasius lernt eine Menge zum Thema Opportunismus bei Jonas Helbig. Etwa, dass der Opportunist nicht immer schon ein prinzipienloser Anpasser war, sondern auch als Meister der Chancen galt. Gerade die Zweideutigkeit des Begriffs kommt in der Studie gut heraus, meint Blasius. Glänzend und überzeugend scheint ihm, wie der Autor den Opportunismus in Kriminologie und Strafrecht, Ökonomie und Politik historisch seziert und die Handlungsfähigkeit des bürgerlichen Staates daran festmacht, inwieweit er Opportunismus maßvoll zulässt.
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