Jokha Alharthi

Herrinnen des Mondes

Roman
Cover: Herrinnen des Mondes
Dörlemann Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783038201526
Gebunden, 336 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen und mit einem Nachwort von Claudia Ott. Das Dorf al-Awafi in Oman ist die Heimat dreier Schwestern: Mayya, die mit gebrochenem Herzen die Ehe mit Abdallah eingeht, Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Sulayman. Asma, die aus Pflichtgefühl Khalid heiratet, einen selbstverliebten Künstler. Und Khawla, die alle Anträge ablehnt, während sie auf ihren Geliebten wartet, der nach Kanada ausgewandert ist und nur alle zwei Jahre zurückkehrt. Drei Frauen, drei Blickwinkel auf Oman und eine traditionelle Gesellschaft, die sich nach der Kolonialzeit zwischen Tradition und Moderne neu definieren muss - wie die Frauen auch. Und dann ist da noch die rätselhafte, betörende Zarifa, die als Sklavin nach Oman kam, von Sulayman gekauft und seine große Liebe wurde.Herrinnen des Mondes erzählt vielstimmig über das Leben, Lieben und die Träume von Frauen in einer traditionell patriarchalischen islamischen Gesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2025

Hymnisch bespricht Rezensentin Nicole Henneberg nicht nur diesen Roman der im Oman geborenen Arabistin Jokha Alharthi, sondern auch die exzellente Übersetzung durch Claudia Ott. Die Kritikerin taucht ein in ein fiktives, aber der Realität nachempfundendes Dorf namens al-Awafi und erlebt die Umbrüche zwischen 1920 und 1990, als sich das Sultanat von einer "hierarchischen, bäuerlichen Stammesgesellschaft" in eine moderne, industrielle Gesellschaft verwandelte. Verschiedene Figuren führen die Rezensentin durch die einzelnen Kapitel und Zeiten: Sie begleitet etwa den modernen, aber doch unter Erwartungsdruck stehenden Sklavenhändler Suleiman, die ihm verfallene Sklavin Sarifa oder dessen drei Töchter, die sich dem autoritären Vater durch das Kombinieren von Zeilen arabischer Poesie widersetzen. Nicht zuletzt ist es die Fülle an "lokalen Tabuthemen", die Alharthi offen anspricht, von denen Henneberg fasziniert liest: Sie erfährt von Scham im Alltag, etwa wenn ein behindertes Kind geboren wird oder von bis heute praktizierter Hexerei. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.05.2025

Gekonnt verbindet die omanische Autorin Jokha Alharthi in ihrem Roman "Märchenhaftes und Moderne", findet Rezensent Carsten Hueck. Sie erzählt anhand der Schicksale der Schwestern Chaula, Asma und Mayya, die im fiktiven Dorf al-Awafi leben, den Wandel des Omans im 20. Jahrhundert und den Übergang von einer Stammes- und Sklavenhaltergesellschaft zum modernen Staat. Auf reizvolle Weise verbindet sie dabei verschiedene Elemente aus, beispielsweise, der arabischen Dichtkunst, Familienroman und Dorfgeschichte. Der Kontrast zwischen der alten Welt und der neuen, BMWs werden gefahren und Videospiele gespielt während im Hof noch Tiere geschlachtet werden, wird dem Rezensenten aus unterschiedlichen Perspektiven vor Augen geführt, was ein "dichtes, multiperspektivisches Textgewebe" erzeugt, dessen erzählerische Fäden Alharti zuweilen auch bis nach Kanada oder Kairo ausweitet. Starke Visualität und Sinnlichkeit tragen das Übrige zu einer faszinierenden Lektüre bei, die Hueck von Herzen empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.05.2025

Bücher aus Oman liest man selten, konstatiert Dina Netz, Jokha Alharthis Roman, der als erstes Buch einer arabischen Autorin den Man-Booker-Preis bekommen hat, ist nun aber endlich auf Deutsch erschienen. Drei Generationen einer Familie erleben in dem Buch die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen des Omans zwischen 1920 und 1990 mit - die Protagonistin Mayya wird noch gegen ihren Willen mit dem Sohn eines Händlers verheiratet, dieser Händler wiederum hatte eine Sklavin als Geliebte, die Ölvorkommen bedingen Modernisierungen und bisher ungekannten Reichtum, die nachfolgenden Generationen haben Schwierigkeiten, sich mit ihren älteren Verwandten und deren Ansichten zu arrangieren, erfahren wir. Netz lobt die gelungene, kenntnisreiche Übersetzung von Claudia Ott, deren instruktives Nachwort zudem deutlich macht, dass Alharthis Roman von Suizid bis Sklaverei viele Tabuthemen aufgreift und dabei zudem noch die Geschichte des Omans im 20. Jahrhundert großartig vermittele.

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