John Wray

Das Geheimnis der verlorenen Zeit

Roman
Cover: Das Geheimnis der verlorenen Zeit
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783498073640
Gebunden, 736 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Eingeschlossen in einer Blase angehaltener Zeit sitzt der junge Waldemar Tolliver in einem vermüllten Apartment am Central Park in New York und versucht, Herr seiner Geschichte zu werden. Über hundert Jahre Familiengeschichte muss er erforschen und verstehen, um wieder in die Welt zurückkehren zu können. Waldemars Urgroßvater, Produzent eingelegter Gurken und Hobby-Physiker aus dem k.u.k. Znaim, war dem Geheimnis der Zeit auf der Spur. Nein, besser noch: dem Geheimnis menschlicher Reisen durch die Zeit! Leider gingen die Unterlagen bei einem dummen Unfall mit einem Automobil verloren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2016

Rezensent Tilman Urbach hat in New York John Wray getroffen und sich vom Autor höchstselbst über seinen neuen Roman, seine Entstehung und sein erzählerisches Programm berichten lassen. Schon vorher faszinierte Urbach die Kühnheit, mit der Wray bedenkenlos verschiedene Genres mischt, zwischen Realismus und Science Fiction hin und her springt, Motive und Geschichten verwebt, kurz gegen jede Regel des fiktionalen Erzählens verstößt. Nach dem Treffen scheint seine Begeisterung für diesen Autor und seinen Roman noch vergrößert. Wray, so der Rezensent, liebt das ausschweifende Erzählen und die sprachliche Raffinesse. In seinem Roman über eine seltsame Familie, die über Generationen hinweg nach dem "Geheimnis der verlorenen Zeit" sucht, lässt er eine andere, eine "surreale Welt" erstehen, in die sich der Rezensent mit Freuden entführen lässt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 29.10.2016

Wieland Freund trifft sich mit dem amerikanisch-kakanischen Schriftsteller John Wray, um mit ihm über Zeit-Unfälle und Wrays inzwischen vierten Roman "Das Geheimnis der verlorenen Zeit" zu reden. Viel kann der Kritiker leider trotzdem nicht über den Roman sagen, nur so viel: Wray erzählt die Geschichte von Waldemar Tolliver, dessen Urgroßvater eine Möglichkeit fand, in der Zeit zu reisen, und dessen Söhne des Rätsels Lösung auf die Spur kommen wollen. Der Roman springt zwischen den Generationen, zwischen Mähren und Wien, Buffalo und Manhattan und erzählt nicht nur von Zeitreisen, Sekten und Science-Fiction, sondern auch von einem erfundenen KZ, erklärt der Kritiker. Irgendwo zwischen "thomasmannesken Familienroman" und "abgeschmacktem Nazi-Thriller" verortet der Rezensent das Buch - allerdings ohne zu verraten, wie es ihm gefallen hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Rezensent Jens-Christian Rabe lobt John Wrays neuen Roman in den höchsten Tönen. "Das Geheimnis der verlorenen Zeit" erzählt die Geschichte der Tolliver-Familie in den letzten 100 Jahren. Erzähler Waldemar "Wally" Tolliver sitzt während seiner reichhaltigen Ausschweifungen in einem Zeitloch in der Bibliothek seiner Tante und versucht die Entdeckung seines Urgroßvaters und Laienphysikers Ottokar zu entschlüsseln. Gelegentlich geht Rabe die sich auf viele Metaebenen erstreckende Geschichte rund um Wally zwar auf die Nerven, doch entschädigt ihn dafür die "verblüffende Unwiderstehlichkeit" der Wrayschen Formulierungen, die Bernhard Robbens kongenial ins Deutsche übertragen habe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Für Martin Halter ist John Wray ein Meister des "popkulturellen Zeitreise-Romans", den man gut und gerne in einem Atemzug mit Thomas Pynchon, David Mitchell oder Haruki Murakami nennen kann. Mehr noch: In Wrays viertem Roman stecken nicht nur sieben Jahre Arbeit, sondern Anspielungen auf Augustinus, Plotin, Proust, Manns "Buddenbrooks", die Relativitätstheorie oder Scientology, Wittgenstein, Heisenberg, Klimt oder Joan Didion, erklärt der Kritiker, der zudem bewundert wie der Autor die Great American Novel mit europäischer Gedankenschwere verbindet. Erzählt wird die Geschichte der deutsch-österreichischen Familie Tolliver, die sich auf verschiedene Weise über Generationen hinweg mit Zeitforschung beschäftigt, erklärt der Rezensent. Großartig, wie der Autor mit Witz und Tempo mit grotesken Momenten, kuriosen Figuren und wunderbaren Einfällen spielt und dabei doch den Überblick behält, schwärmt Halter, der auch mit Bernhard Robbes Übersetzung sehr zufrieden ist.
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