John Gray

Von Menschen und anderen Tieren

Abschied vom Humanismus
Cover: Von Menschen und anderen Tieren
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2010
ISBN 9783608946109
Gebunden, 246 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Alain Kleinschmied. Der Humanismus ist die Ersatzreligion der Moderne, der es sich auf die Fahnen schreibt, alle Menschen zu emanzipieren. Aber wovon und warum eigentlich? Von ihrer Natur, zweibeinige hoch entwickelte Säugetiere zu sein? Diesen Humanismus, im Bann des unendlichen wirtschaftlichen wie kulturellen Fortschritts verwirft John Gray als gefährliche, lebensbedrohende Ideologie und verabschiedet ihn. In diesem Buch stellt er ein für alle Mal klar: Der Anspruch der Menschen auf eine Sonderstellung in der Natur, seine grenzenlose Selbstverherrlichung, führt unsere Welt und mit ihr die Menschen selbst in den Untergang. "Himmel und Erde sind nicht gütig. Ihnen sind die Menschen wie stroherne Opferhunde." Laotse (Als Erläuterung des englischen Originaltitels "Straw Dogs" - Strohhunde)

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2010

Ein "düster funkelndes Pamphlet" nennt Rezensent Uwe Justus Wenzel diese scharfe Attacke gegen den Humanismus, die der Philosoph und Ideenhistoriker John Gray hier reitet. Er sieht darin auch den Versuch des Autors, sich seinen Ekel und Überdruss an der Gattung Mensch vom Leib zu schreiben, will das Buch aber nicht auf diesen Impuls reduzieren. Grays Rundumschlag zielt nach Wenzel vor allem auf die Hybris, den infamen Optimismus, das Fortschrittsdenken, die Moral und die Wissenschaft des liberalen Humanismus, den der Autor als "säkularen, aber christlich infizierten Glauben" anprangert. Der Rezensent hält Gray allerdings vor, in seinem antihumanistischen Furor auch vor widersprüchlichen, "ja abstrusen Behauptungen" nicht zurückzuschrecken. Gleichwohl will er das Buch nicht gänzlich verwerfen, zumal sich die Aversion des Autors am Ende des Buchs abzuklingen scheint: "Das Mütchen ist gekühlt, und der Genesende fasst zaghaft wieder Zutrauen zu sich als Mensch."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.02.2010

Kein gutes Haar lässt Rezensent Thomas Meyer an diesem Buch des britischen Philosophen John Gray. Unbegreiflich ist für ihn, wie ein Intellektueller vom Schlage Grays, der bis 2008 eine Professur für "Europäische Ideengeschichte" an der renommierten London School of Economics and Political Science inne hatte, ein "so unglaublich schlechtes" Buch schreiben konnte. Er hat das Bedürfnis, das von Gray attackierte Christentum geradezu in Schutz zu nehmen, so undifferenziert schlägt der Autor seinem Empfinden nach darauf ein. Aber auch mit dem Humanismus, hinter dem sich das Christentum verberge, und mit allen Philosophien, die im Menschen ein vernunft- und sprachbegabtes Wesen sehen, geht Gray laut Meyer nicht verständiger um. "Stellen Sie sich bitte niemals vor, ein Subjekt zu sein, Sie könnten den Weltfrieden gefährden", fasst Schwarz den seines Erachtens absurden Tenor der Ausführungen zusammen. Er verweist auf die Besprechungen des Buchs in der englischen Presse, die seinerzeit zahllose Kurzschlüsse und Fehler des Buchs richtig gestellt haben. Sein Fazit: ein Buch voll von Unsinn und Zumutungen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2010

Dieses Buch sollte sich, wer differenziertes Argumentieren schätzt, besser sparen. Man darf Helmut Mayers recht geduldig auf den Band eingehende Rezension ziemlich genau so verstehen. Denn so wenig der Rezensent den Grundimpetus von John Gray im Prinzip verwerflich findet, so sehr kritisiert er doch, wie bedenkenlos der Philosoph nimmt, was ihm an Entwürfen und Theorien in den Kram passt. Da können gewisse Widersprüch im Gedankengebäude nicht ausbleiben, aber Gray sei das offenbar recht egal. Die Zentralthese des Buchs: Der Mensch ist auch nichts anderes als ein Tier. Seine Existenz: sinnlos. Aller Glaube an Fortschritt etc.: hoch illusionär. Ins Feld geführt wird Charles Darwin, nur gelesen haben dürfte Gray dessen Bücher, so Mayer süffisant, kaum. Und weil er wild entschlossen sei, es sich einfach zu machen, bleibe Gray hinter den "facettenreichen" aktuellen Erkenntnissen zu "unserer kulturellen Naturgeschichte" eben so platt wie lautstark zurück.
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