John Bayley

Das Haus des Witwers

Cover: Das Haus des Witwers
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406487019
Gebunden, 268 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk. Das neue Buch von John Bayley ist die Fortsetzung der Geschichte seiner Ehe mit der Schriftstellerin Iris Murdoch und deren Erkrankung und Tod, die Bayley in "Elegie für Iris" erzählte. Bayley, dessen Frau 1999 an der Alzheimer-Krankheit starb, beschreibt seine Trauer und sein Leben als Witwer, die Leere und das lähmende Verlustgefühl. In dieser Situation tauchen Iris' Freundin Margot und deren Tochter Mella auf, die - ohne voneinander zu wissen - den wehrlosen Witwer mit gutem Essen, einem anständigen Hausputz und Sex aufheitern wollen. Schließlich gelingt es Bayley, die beiden Frauen, von denen er sich vereinnahmt fühlt, in die Flucht zu schlagen. Nun findet er auch die Zeit, sich mit dem Tod seiner Frau und dem plötzlichen Alleinsein nach 45 bewegten, aber glücklichen Ehejahren auseinanderzusetzen...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.08.2002

Vor zwei Jahren schon habe der britische Literaturkritiker John Bayley ein beeindruckendes Buch über sein Leben mit der Schriftstellerin Iris Murdoch, die an Alzheimer litt und schließlich starb, geschrieben, informiert Stefanie Holzer. Nun liegt, so die Rezensentin weiter, die Fortsetzung vor. Murdoch ist Tod, Bailey also Witwer, und zwar ein heißbegehrter. Gleich zwei Frauen üben sich in Fürsorge und Zuwendung, der der noch Trauernde kaum entrinnen kann, berichtet Holzer leicht amüsiert. In jedem Fall findet sie, dass Baileys sein Schicksal "meisterlich" erzählt. Seine Geschichte wisse er dem Leser "mit Leichtigkeit", "very british", poetisch, schlicht, aber mit genauen Metaphern zu vermitteln, schwärmt Holzer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2002

Das Beste an diesem Buch sei die Umschlaggestaltung. Kein gutes Zeichen, was Andreas Dorschel da verkündet. Dem Erinnerungsgeschäft des Iris Murdoch-Witwers John Bayley traut er nicht über den Weg: Zu kuschelig in seinem Schmerz, der alte Herr, zu flach, zu redselig, wenn auch mitunter so kurzweilig wie ein Sonntagnachmittagsgeplauder. Ganz schlimm aber wirds, meint Dorschel, wenn der Autor (Literaturprofessor a.D.) hauspantoffelig über Dichtung spricht und mit Coleridge auf Du und Du geht. Tipp des Rezensenten: Lieber nur den Einband angucken.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2002

Auch dem dritten Buch von John Bayley über seine 45 Jahre währende Ehe mit der Schriftstellerin Iris Murdoch, die 1999 an der Alzheimer-Krankheit verstarb, kann Rezensent Jürgen Brocan nicht viel abgewinnen. Weder beschreibe der Autor überzeugend seine Trauer, noch bewegten sich seine Reflexionen auf einem erträglichen Level, schreibt Brocan. Der Handlungsrahmen ist schnell erzählt: Nach Iris' Tod bemühen sich zwei Frauen, eine ältere und eine junge Studentin, um die Gunst des Witwers, der diesen Nachstellungen teils erliegt, ihnen teils zu entrinnen trachtet. Doch mit seiner Aneinanderreihung von Anekdoten aus dem Ehe- und Witwerleben komme Bayley ins Stolpern, abgesehen davon, schimpft Brocan, dass auch die "formalen Patzer" "eklatant" seien. Einzig die Abschnitte, die Bayley unmittelbar nach dem Tod von Murdoch geschrieben hat, seien erträglich, so der Rezensent und schüttelt gleich wieder den Kopf, weil Bayley selbst gerade diese Passagen für seine schwächsten hält.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.04.2002

Monika Goetsch ist bereits ein Fan von John Bayley, seit sie dessen "Elegie für Iris" gelesen hat, worin der Literaturkritiker auf unsentimentale Weise die Alzheimer-Erkrankung seiner Frau, der Schriftstellerin Iris Murdoch, geschildert und zugleich auf ganz anrührende Art ihre Liebe beschrieben hat. Iris Murdoch ist mittlerweile gestorben, und Goetsch hat nur zögernd, wie sie gesteht, "Das Haus des Witwers" in die Hand genommen. Ihre Erwartungen wurden einerseits nicht enttäuscht, andererseits sieht das "Haus des Witwers" ganz anders aus als vorgestellt. Das Buch zerfällt in zwei Teile, so Goetsch: der erste Teil enthält eine komödiantische Beschreibung, wie der frische Witwer von zwei Damen bedrängt wird. Erst als der groteske Mummenschanz vorbei ist, in dem ein Wischmopp eine zentrale Rolle spielt, findet Bayley zu seiner sanft-ironischen Art zurück, die Goetsch sehr viel näher ist. Der Verfasser stelle sich den Widersprüchen der Trauer und der eigenen Gefühle, findet sie und berichtet angerührt von seiner Sehnsucht nach dem Zuhause, sobald er sich hinauswagt, das ihm, wieder daheim, nur eine unglaubliche Leere offenbart.