John Banville

Im Lichte der Vergangenheit

Roman
Cover: Im Lichte der Vergangenheit
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2014
ISBN 9783462045956
Gebunden, 336 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Christa Schuenke. Alex Cleave hat seine besten Jahre als Schauspieler hinter sich, er trauert noch immer um seine Tochter Cass, die zehn Jahre zuvor Selbstmord begangen hat, und auch die Beziehung zu seiner Frau Lydia ist nicht mehr von Leidenschaft geprägt. Da bekommt er das Angebot, die Hauptrolle in einem Film über den mysteriösen Kritiker Axel Vander zu spielen - und ahnt nicht, wie viel diese Figur mit ihm selbst zu tun hat. Er versinkt in Erinnerungen an den Sommer, in dem er als 15-Jähriger die Liebe entdeckte - mit der Mutter seines besten Freundes Billy Gray - und an dessen Ende die Familie Gray die Stadt verließ. Bald muss er sich fragen, was Erinnerung ist und was Erfindung - um am Ende eine Entdeckung zu machen, die alles verändert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2014

Rezensent Thomas David singt eine Hymne auf John Banville und seinen neuen Roman "Im Lichte der Vergangenheit". Das Werk des Iren empfindet der Kritiker als "anmutige", reiche Landschaft, die nun mit dem neuem exzellenten Roman gekrönt wird. Gemeinsam mit dem Erzähler, dem alternden Schauspieler Alexander Cleave, der auch in "Sonnenfinsternis" und "Caliban" bereits auftrat und die Trilogie nun um dieses "raffinierte Palimpsest" erweitert, streift der Kritiker durch die lang zurückliegende "Kindheitslandschaft" und erinnert sich an die jugendliche Liebe zur sinnlich-verführerischen, zwanzig Jahre älteren Mutter eines Freundes im Irland der fünfziger Jahre. Der Roman erscheint David als erstes Alterswerk des Iren, dessen bekannte lyrische Melancholie hier erstmalig mit der Ahnung um die Vergänglichkeit des Glücks gepaart zu sein scheint. Ganz berauscht taucht der Kritiker wieder auf aus Banvilles Sehnsuchtsort und ruft: "Große Kunst! Literaturnobelpreis!"

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Die Debatte um literarische Glaubwürdigkeit im Rahmen eines anachronistisch klingelnden Handys in Martin Mosebachs jüngstem Roman noch frisch im Gedächtnis, stellt sich Rezensentin Ursula März bei John Banvilles "Im Lichte der Vergangenheit" die gleichen Fragen. In der personell recht verwickelten Rahmenhandlung um den bereits aus Banvilles Roman "Caliban" bekannten Protagonisten Alex Cleave wird das Referenzspiel "auf die Spitze" getrieben und die Fülle der Bezüge und Spiegelungen stellt die Leser auf eine harte Probe, meint die Rezensentin. Das ist aber nur die Rahmenhandlung, daneben erzählt Banville von der Affäre des fünfzehnjährigen Cleave mit der Mutter eines Schulfreundes. Auch wenn das in den 1960er Jahren in Irland möglicherweise nicht besonders wahrscheinlich ist: die Rezensentin lässt sich von dieser "unerhörten" und tragischen Liebesgeschichte völlig in den Bann ziehen, auf sie wirkt die so nachvollziehbar geschilderte Seelenlage der Protagonisten absolut glaubwürdig, während sie die komplizierten Konstruktionen der Rahmenhandlung wenig überzeugend findet. Zwischen den beiden Romanteilen klafft in März' Augen eine tiefe Lücke und hier liegt für sie dann auch die Krux dieses Romans.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Den Ich-Erzähler Alex Cleave aus John Banvilles jüngstem Roman "Im Lichte der Vergangenheit" kennt Kristina Maidt-Zinke bereits aus zwei anderen Romanen von 2002 und 2004, aber schon, weil der irische Autor so exzessiv mit kunsthistorischen Anspielungen operiert, findet sie das Etikett "Triptychon" passender als Romantrilogie. Es gibt zwei, für Banville ungewohnt plotlastige Erzählstränge, klärt uns die Rezensentin auf: Zum einen ist das die platonische Liebesgeschichte zwischen dem Ich-Erzähler und der Schauspieldiva Dawn Devonport, mit der er in einem Film über die Lebensgeschichte des Literaturkritikers Axel Vanders vor der Kamera steht; mit dem hatte Cleaves Tochter vor ihrem Suizid einst eine Affäre. Dem stehen Cleaves Erinnerungen an seine ersten erotischen Erfahrungen mit der Mutter eines Schulfreundes im Alter von fünfzehn Jahren gegenüber. Insbesondere die zugleich poetischen und drastisch-vulgären Schilderungen dieser Liebesbeziehung fand Maidt-Zinke beeindruckend. Aber überhaupt haben sie die Ausflüge in die Bildersprache der europäischen Malerei sowie die von Banville "selbst erschaffenen Bilder" sehr beeindruckt und so kann sie beispielsweise die Evozierung eines irischen Apriltages voll und ganz für manche sprachliche Schwäche oder "aufdringliche Intertextualität" entschädigen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2014

Mit viel Begeisterung bespricht Rezensent Hubert Spiegel John Banvilles neuen Roman "Im Lichte der Vergangenheit", den er als Kunstwerk würdigt. Erzählt wird die Geschichte des bereits aus dem Roman "Sonnenfinsternis" bekannten Schauspielers Alex Cleave, der sich hier an die Affäre erinnert, die er als Fünfzehnjähriger mit der Mutter seines besten Freundes hatte und die sich damals zu einem Dorf-Skandal ausweitete. Während er die Beziehung bis zu den geschmacklosesten Intimitäten ausleuchtet, erhält er das Angebot, den Literaturkritiker Axel Vander zu spielen, der Banville-Leser an den Protagonisten aus "Caliban" erinnern dürfte, informiert der Kritiker. Fasziniert streift der Rezensent durch dieses dicht gewebte Netz intertextueller Verweise, in welchem auch immer wieder kunsthistorische Anspielungen, etwa auf Rembrandts "Saskia", auftauchen. Nicht zuletzt lobt Spiegel die Arbeit der Übersetzerin Christa Schuenke, die Banvilles eindrucksvolles Spiel der Andeutungen und seine meisterhafte Beschreibungskunst exzellent ins Deutsche überträgt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.02.2014

Sylvia Staude wird nicht enttäuscht in ihrer Erwartung auf ausgefallene Wortfindungen, Selbstanspielungen und die stilistische Fertigkeit von John Banville. Sein neuer Roman bietet all das in der Geschichte um die Erinnerung an eine frühe Liebesinitiation durch eine ältere Frau, die der Schauspieler Alex Cleave sich vor Augen führt. Staude traut dem Erzähler zwar nicht über den Weg, dafür ist er ist viel zu fantasiebegabt, doch wie die Lebensalter des Erzählers hier ineinandergreifen, Vergangenheit und Gegenwart, das hat sie beeindruckt. Dass der Autor wie so oft keine Handlung im klassischen Sinne erzählt, sondern lauter Schlaglichter wirft und Miniszenen anbietet, findet sie da nicht weiter schlimm.
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