Johano Strasser

Bossa Nova

Ein Provinzroman
Cover: Bossa Nova
Pendo Verlag, München 2008
ISBN 9783866121720
Gebunden, 171 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Seit über 30 Jahren treffen sie sich an ihrem Vresener Stammtisch: der tierliebe Kioskbesitzer Alfred, Bernd, der beim Amtsgericht arbeitet, Manne mit seiner Freundin Hella und der Ich-Erzähler Kalle. Karl, der Wirt, ist ein Altlinker, der noch immer feuchte Augen bekommt, wenn Antonio Carlos Jobims Girl from Ipanema aus der Jukebox schallt. Die ewiggleiche Kleinstadtroutine wird auch nicht ernsthaft durcheinander gebracht, als eines Tages am Flussufer eine abgetrennte Hand gefunden wird. Doch dann gibt Alfred plötzlich seinen Hund weg, Bernd wird schwer krank, Kalle holt seine alte Zündapp aus dem Schuppen, Kalles Frau Elke und ihre Freundinnen beschließen, mitten im Ort eine Papeterie zu eröffnen und ein Beben geht durch die kleine Gemeinde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2008

Anja Hirsch kann sich mit dem Roman Johano Strassers nicht recht erwärmen. Nur gut, dass der im niederländischen Leeuwarden geborene Autor seinem Buch das Etikett "Provinzroman" beigegeben hat, um mit diesem programmatischen Hinweis dem Vorwurf der "Provinzialität" zu entgehen, meint die Rezensentin nicht gänzlich überzeugt. Strasser erzählt aus der Perspektive des Ich-Erzählers und Kleinstadtbewohners Kalle, der im kollektiven Blick auf seine die gleiche Stammkneipe besuchenden Freunde zugleich den Verlust der Utopien beklagt und das Hohelied auf das "einfache Leben" singt. Zwischen Aufbruchsfantasien, Resignation und behaglichem Einrichten im Alltagsleben erinnern sich die Protagonisten nostalgisch an früher, und Kalle protokolliert mal als nüchterner Berichterstatter, mal als betroffenes Subjekt, stellt Hirsch fest. Gerade in dieser zwischen Distanz und Betroffenheit pendelnden Erzählweise liegt für die Rezensentin aber auch das Problem dieses Romans, und wenn Kalle beispielsweise im Konjunktiv von Dritten berichtet, festigt das nicht gerade das "Interesse an dem ohnehin recht austauschbaren" Figurenarsenal, moniert Hirsch. Und so ziehen die Existenzversicherungsversuche der Protagonisten den Roman selbst in Mitleidenschaft und verleihen ihm eine Mattigkeit, die der Rezensentin gar nicht behagt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.03.2008

Ein Buch aus der "Tiefebene", urteilt Kristina Maidt-Zinke über Johano Strassers Roman über gepflegte Ereignislosigkeit mit Stammtisch und Zündapp. Damit spielt sie allerdings nicht so sehr auf das provinzielle Setting an, das "hochgradig verwechselbare" Personal, sondern vor allem auf die vertane Chance, dem Ganzen eine höhere Note zu verpassen. Der Wille dazu ist für die Rezensentin allerdings erkennbar. Allein die "Aura des Öden" scheint ihr zu stark, als dass sich der Autor aufschwingen könnte, sprachlich, komödiantisch oder eben metaphysisch - wie "zum Beispiel Eckhard Henscheid".

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