Johannes Willms

Napoleon

Verbannung und Verklärung
Cover: Napoleon
Droemer Knaur Verlag, München 2000
ISBN 9783426272107
Gebunden, 345 Seiten, 25,51 EUR

Klappentext

Militärisch wurde Napoleon geschlagen, doch ideologisch schlug er Europa in seinen Bann. In der Stunde seiner endgültigen Erniedrigung begann Napoleons größter Triumph: Verbannt auf das felsige, ungastliche St. Helena, abgeschnitten von der Welt, nutzt der Gefangene seine einzige Chance und stilisiert sich zum Märtyrer. Der «Mythos Napoleon» entsteht in den Memoiren, die er seinen vier «Jüngern» diktiert, die ihm in die Verbannung gefolgt sind. Johannes Willms zeigt, wie die machtvolle Verklärung Napoleons das Schicksal Europas im 19. Jahrhundert bestimmt: Die Revolution von 1848 brach sich im Zeichen von Napoleons vermeintlichem politischem Testament Bahn. Napoleon III., sein 1851 durch einen Staatsstreich an die Macht gelangter Neffe, verstand sich als Vollender dieser Ideen: Der Nationalitäts-Gedanke war ihm oberstes Prinzip - und sein Verhängnis, das ihn schließlich in Gestalt Bismarcks ereilte. Napoleon verstand es, die Kraft der Geschichte für sich zu nutzen. Seine Botschaft ist hochaktuell: Wer Mythen schafft, beherrscht die Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2001

Es ist schon interessant, was Johannes Willms über die letzten Jahre Napoleons in der Verbannung auf der Insel Sankt Helena zutage gefördert hat, lobt Wolfgang Burgdorf. Napoleon, längst als Herrscher gestürzt und in Europa als Despot und Unterdrücker verschrien, diktierte seinen Begleitern auf der Insel seine Memoiren - und machte sich damit selbst zum Märtyrer und letztlich zum Mythos, informiert der Rezensent. Willms Beschreibung des eigentlich unerträglichen Alltags der mehr oder weniger freiwilligen Gefolgschaft des Herrschers findet Burgdorf denn auch wirklich glänzend. Doch mitunter scheint das Lektorat über "unbefestigte Passagen" in Willms Abhandlung hinweggerast zu sein, meint der Rezensent - einige Jahreszahlen stimmen nicht mit den historischen Fakten überein. Schade auch, dass einige Studien über Napoleon keine Erwähnung finden. Und des Autors Weigerung, den Bonapartismus als europäisches Phänomen zu sehen, mag der Rezensent auch nicht teilen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Johannes Willms ist leitender Redakteur der SZ und Schüler des Historikers Reinhart Koselleck und er hat ein Buch über den Napoleonmythos "elegant" geschrieben, findet Volker Ullrich. Forschungsmäßig ist es up to date und detailreich legt es mit dem Leben auf der Insel des Verbannten, St. Helena, los: Denn Napoleon hat in seinen dort geschriebenen Erinnerungen selbst an seinem Mythos gebastelt: ein "Geniestreich" für Willms und Ullrich, bestehend aus drei Ingredenzien: Napoleon, der Vollstrecker der Revolution, Napoleon, der Einiger Europas und Napoleon, der Friedensstifter: als politisches Faszinosum im "Bonapartismus" gebündelt. Darauf rekurrierte nach zwei kläglich gescheiterten Anläufen letztlich erfolgreich Napoleon III., den Willms gegen überzogene Kritik in Schutz nimmt. Ullrich stimmt zu, weiß aber offenbar nicht, dass das unter Historikern schon länger state of the art ist. Einzige Ullrich-Kritik: Das Scheitern Napoleons III. kommt zu kurz.
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