Johannes Koll

Arthur Seyß-Inquart und die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden (1940-1945)

Cover: Arthur Seyß-Inquart und die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden (1940-1945)
Böhlau Verlag, Wien 2015
ISBN 9783205796602
Gebunden, 691 Seiten, 59,90 EUR

Klappentext

Arthur Seyß-Inquart steht für eine außergewöhnliche Karriere: Innerhalb kurzer Zeit stieg der Wiener Rechtsanwalt zu einem einflussreichen Funktionär des NS-Regimes auf. Besonders in seiner Funktion als Reichskommissar trug er zwischen 1940 und 1945 die Verantwortung für die Nazifizierung und Gleichschaltung der Niederlande. In diesem Buch wird zum ersten Mal seine Politik in Den Haag umfassend analysiert. Welche Handlungs- und Entscheidungsspielräume hatte Hitlers Statthalter in den Niederlanden? Wie gelang es diesem Aufsteiger, seine Position innerhalb des NS-Regimes bis Kriegsende zu festigen? Und wie lässt er sich unter den nationalsozialistischen Tätern einordnen? Letztlich kann anhand von Seyß-Inquart die Bedeutung von "Zwischeninstanzen" für das NS-System deutlich gemacht werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2016

Spätestens mit Johannes Kolls umfangreicher Biografie lernt Ludger Heid den "Reichskommissar" in den besetzten Niederlanden, Arthur Seyß-Inquart, als überzeugten Austronazi kennen, als skrupellosen, klerikalfaschistischen Machtmenschen, aktiv und voller antisemitischer Energie. Der Nachvollzug von Seyß-Inquarts Entwicklung vom gebildeten und kultivierten Menschen zum karrieristischen wie idealistsichen Verbrecher und Mörder gelingt dem Rezensenten mit diesem Buch und auch die Erkenntnis, dass Leute wie Seyß-Inquart im Nationalsozialismus durchaus über große Handlungsspielräume verfügten und nicht nur Rädchen im System waren.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.01.2016

Etwas verwundert ist L. Joseph Heid über das von Johannes Kolls gezogene Fazit, der NS-Karrierist Arthur Seyß-Inquart sei kein "Verbrecher im kriminologischen Sinn", listet der Autor doch ausführlich und fundiert die Verbrechen des Reichskommissars in den besetzten Niederlanden auf. Deutlich mehr als nur ein Rädchen im Getriebe war Seyß-Inquart demnach, "ein ehrgeiziger Schreibtischtäter, ein furchtbarer Austronazi" und vor allem ein verantwortlicher Mittäter am Mord an Hunderttausenden Juden, erfährt der Rezensent. Damit sollte das offenbar in Österreich noch verbreitete Bild von Seyß-Inquart als "katholischer Gentleman mit leichten nazistischen Einschlägen" ein für alle Mal widerlegt sein, hofft Heid.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2015

Magnus Brechtken macht das Buch neugierig auf das angekündigte Folgewerk, eine Gesamtbiografie des von Johannes Koll hier ins Visier genommenen NS-Tätertypus. Mit Arthur Seyß-Inquart, dem Reichskommissar in den Niederlanden, erhält im vorliegenden Text laut Brechtken ein Haupttäter der NS-Führungsriege Kontur. Der Rezensent begreift die Konzentration des Autors auf das Wirken Seyß-Inquarts in den Niederlanden zwischen 1940 und 1945 als spezifischen Forschungsbeitrag zur Tätertypologie, an dem sich völkisches Denken und Karrierestreben eines Repräsentanten der Zwischengewalt erkennen lassen. Dass der Autor darüber hinaus enzyklopädische Wissen über Herrschafts-, Verwaltungs- und Verfolgungspraxis mit dem Leser teilt, stellt Brechtken dankbar fest. Die Quellenauswertung durch den Autor erscheint ihm vorbildlich, die Fülle an Einblicken in die Strukturen der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis beträchtlich und der Stil der Präsentation gut ausbalanciert zwischen Ausführlichkeit und Anschaulichkeit.
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