Die Arbeit klärt Entstehungsbedingungen und inhaltlich-ästhetische Ausformungen der modernen nach- bzw. gegennaturalistischen Dramatik um 1900 im Zusammenhang mit der Modernitätsdiskussion und den Sexualdiskursen der Zeit. Sie konzentriert sich auf Autoren, deren Stücke in besonders markanter Weise auf die Fragen der moralischen Normen und der Sexualität bezogen sind (Wedekind, Lautensack, Thoma, Przybyszewski, Sternheim, Panizza) und die zugleich für die Theatermodeme charakteristische Ansprüche auf formale wie inhaltliche Erneuerung formulieren; dies insbesondere in Auseinandersetzung mit den zentralen moralphilosophischen, psychologischen und sexualwissenschaflichen Positionen seit dem späten 19. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2005
"Kann man sich noch interessieren für kleine, schlaue und virile Beamte mit potenziell untreuen Gemahlinnen, die zu unpassender Gelegenheit ihre Unterwäsche verlieren?" Man kann, meint Thomas Steinfeld, der Johannes Pankaus Studie mit Gewinn gelesen hat, schon allein deshalb, weil sie das Drama des Fin de Siecle gründlich und umfassend darstellt. Zusätzlich aber bietet sich dem Leser ein Einstieg in das Denken über Sexualität zu Freuds Zeiten, der zum gedanklichen Vergleich mit der Gegenwart anregt. Aus demselben Grund könnte man auch die Stücke heutzutage noch aufführen, meint Steinfeld, und zwar "so original wie möglich". Damit das Historische wie das Zeitlose - die Komik - umso deutlicher hervortreten.
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