Zolas Romane und seine Theorie des "Experimentalromans" werden hier erstmals systematisch aus einer medientheoretischen Perspektive analysiert. Gegenüber älteren Untersuchungen, die sich vor allem auf die Tatsache stützen, dass Zola im letzten Jahrzehnt seines Lebens intensiv fotografiert hat, setzt die Studie neu an. Die Autorin fragt nach den Wechselwirkungen zwischen zeitgenössischen Konzepten der Fotografie in ästhetischen, wissenschaftlichen und sozialen Diskursen und Zolas Literarturbegriff, und kommt zu dem Ergebnis, dass leitende Begriffe der naturalistischen Poetik des Wissens (wie "reproduction", "ecran", "observation", "detail", "documentation" und "description") zugleich Schlüsselbegriffe in Texten über Fotografie darstellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2003
In ihrer Untersuchung über das "Fotografische im Romanwerk Emile Zolas" zeigt Irene Albers nach Auskunft des agr. zeichnenden Rezensenten, dass der Schriftsteller Zola, obgleich er dem neuen Medium wichtige Anregungen verdankte, weniger von Bildern als von der zeitgenössischen Theorie der Fotografie beeinflusst wurde. "Die Kameralinse", erklärt er Albers Grundthese, "erschien als Instrument einer Wahrnehmung, die konsequent auf jede Interpretation des Wahrgenommenen verzichtet." Bei Zola sähen die Romanfiguren Wirklichkeit auf eben diese "fotografische" Weise, der wissende Erzähler aber deute ihre Wahrnehmungen für den Leser. Albers, die der Rezensent als eine "mit allen Wassern moderner literaturwissenschaftlicher Theorie gewaschene Autorin" preist, nehme in ihrer Untersuchung neben dem frühen Roman "Madeleine Férat" insbesondere die fünf Bände des Rougon-Macquart-Zyklus unter die Lupe und gelange zu "neuen, sehr interessanten Ergebnissen". Worin die bestehen, erfährt man allerdings nicht.
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