Herausgegeben von Jutta heinz und Wolfgang Hörner. Der vorliegende Band enthält erstmals alle Gedichte Wezels, zum Teil in Erstdrucken nach Handschriften. Bei den meisten handelt es sich um Jugend- oder um Alterswerke, die einen neuen Einblick in Wezels Entwicklung als Autor geben. Dazu kommt mit Prinz Edmund ein in der deutschen Literatur seltenes Beispiel eines komischen Versepos, das mit der Darstellung von priesterlichem Missbrauch, der Auseinandersetzung mit sadistisch geprägter Sexualität und der Kritik an der Charakterschwäche des herrschenden Adels kaum zeitgemäßer sein könnte. Den wesentlichen Teil des Bandes nimmt Wezels Briefroman Wilhelmine Arend, oder die Gefahren der Empfindsamkeit ein. Wezel wählt hier eine weibliche Hauptfigur, die unter privaten und gesellschaftlichen Problemen leidet, welche in Verbindung mit ihrer Konstitution zu psychischen Krankeitssymptomen führen. Wilhelmine Arend ist, im Jargon der Zeit, eine (über-)empfindsame Schwärmerin, die ihren übersteigerten Moralvorstellungen und ihrer psychischen Hypersensibilität zum Opfer fällt. Wezel zeichnet diese Entwicklung mit außerordentlichem psychologischem Gespür minutiös nach. Schließlich wird der Band abgerundet durch Wezels satirisches Feenmärchen, das den traditionellen Fauststoff unter dem Titel Kakerlak, oder Geschichte eines Rosenkreuzers aus dem vorigen Jahrhunderte gestaltet. Das durchgängig prosimetrisch gehaltene Werk demonstriert am Ende von Wezels (bewusster) schriftstellerischer Karriere noch einmal seine ganze sprachliche Souveränität, seinen launigen Humor, seine satirischen Qualitäten ebenso wie seine hier ganz spielerisch daherkommende philosophische Tiefe.
Rezensent Tobias Lehmkuhl empfiehlt Johann Karl Wezels Roman "Wilhelmine Arend" von 1781. Das Leiden an der Empfindsamkeit illustriert der Autor laut Lehmkuhl an seiner Titelfigur auf eine Weise, dass der Leser nicht weiß, ob er es ernst meint oder den Pragmatismus der Ärzte seiner Zeit auf die Schippe nimmt. Komisch wird es allemal, meint Lehmkuhl, der sich trotz des realistischen Settings abwechselnd in einem Briefroman, einem Theaterstück und einer literarisch klugen auktorialen Erzählung wähnt. Was die Rolle der Frau angeht, bleibt der Text laut Rezensent ambivalent.
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