Putins Krieg hat alle bislang als unumstößlich geltenden Grundannahmen unserer Beziehungen zu Russland zunichte gemacht. Wie ist mit einer geopolitischen Macht auf dem europäischen Kontinent umzugehen, deren DNA darauf ausgerichtet ist, mit kriegsverbrecherischer Gewalt bestehende Staatsgrenzen zu verändern? Zu dieser fundamentalen Herausforderung für die Zukunft Europas und möglichen Lösungen schweigen die deutschen Parteien auffallend laut. Jörg Himmelreich geht in seinem Buch den tieferen historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Ursachen des deutschen Verhältnisses zu Russland nach und entwickelt auf diesem Fundament Strategien für eine tatsächlich neue Russlandpolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2024
Rezensent Niklas Zimmermann merkt gleich, dass Jörg Himmelreich sein Ansinnen wahr macht und eher polemisch als akademisch fundiert argumentiert, wenn er mit der deutschen Russland-Politik abrechnet. Für Himmelreich ist Russland ein asiatisches Land und daher ohne Basis für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Denn Himmelreich will eine Kontinuität zu den Kriegszügen der Mongolen erkennen - solche Klischees findet der Rezensent ziemlich befremdlich und auch problematisch. Zimmermann kritisiert, dass so eine deterministische Haltung Putins Handeln gleichsam entschuldigt. Bedeutet das nicht, selbst wenn er wollte, er könnte gar nicht anders als die Ukraine bekriegen? Geschichtspolitisch kann der Rezensent dem Buch wenig abgewinnen. Aber wenn der Autor die Fehler deutscher Politik aufzählt, findet Zimmermann das schlicht, kundig und treffsicher. Geht es um die Frage, wie sich heute verhalten gegenüber Russland, bietet Himmelreich allerdings keinen Vorschlag, den Zimmermann nicht bereits gehört hat.
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