Issio Ehrich

Putsch

Der Aufstand gegen Europas Kolonialismus in Afrika
Cover: Putsch
Quadriga Verlag, Köln 2024
ISBN 9783869951485
Gebunden, 288 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Europa hat den Kolonialismus in den 1960er-Jahren in vielen afrikanischen Staaten für beendet erklärt. Zu Unrecht. In Wirklichkeit haben Europäer, die sich gern als Verfechter von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Szene setzen, korrupte politische Systeme auf dem Kontinent gefördert. Systeme, die ihnen dabei helfen, Afrikanerinnen und Afrikaner weiterhin zu bevormunden und auszubeuten. Doch vor allem in der Sahelzone sind viele Menschen an einem Punkt angekommen, an dem sie sich das nicht mehr bieten lassen. Sie sind sogar bereit, Militärregime zu unterstützen, die ihre Fassaden-Demokratien zertrümmern. Issio Ehrich zeigt die komplexen Netzwerke auf, die Europa mit Staaten in Afrika verbinden. Und er provoziert einen Perspektivwechsel. Er gibt Menschen eine Stimme, deren Sicht viel zu oft ignoriert wird, wenn es um Afrika geht. Menschen in Afrika.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2025

Viel zu lernen gibt es über Afrika, findet Rezensentin Friederike Bauer, und dieses Buch hilft einem dabei. Issio Ehrich beschäftigt sich darin insbesondere mit der Sahelzone, in der in den letzten Jahren mehrere Länder Regierungswechsel nach Militärputschs erlebten. Ehrich zeigt der Rezensentin auf, wie die ehemaligen Kolonialmächte, insbesondere Frankreich, zwar Demokratie predigten, aber allzu oft nur an ihren eigenen Vorteil dachten, zum Beispiel was die Ausbeutung von Bodenschätzen betrifft - was dazu führte, dass sich die lokale Bevölkerung mehr und mehr vom Westen abkehrte. Stark ist das Buch im Konkreten, findet Bauer, wenn es auf die Lage der Menschen vor Ort eingeht, ob das nun Arbeiter, Schlepper oder Krankenhausmitarbeiter sind. Weniger überzeugt ist sie, wenn Ehrich sich anschickt, die politische Lage abstrakter zu analysieren, es bleibt meistens beim Schimpfen über die Kolonialisten, Hinweise darauf, wie Europa sich zukünftig verhalten sollte, gibt es eher wenig. Dennoch ist das ein wichtiges Buch, findet Bauer, da es die Aufmerksamkeit auf einen Kontinent lenkt, der, auch aufgrund seiner sehr jungen Bevölkerung, in der Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird in weltweiten Dynamiken.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.12.2024

Einen interessanten Einblick in die Gegenwart der Sahelzone erhält Rezensentin Bettina Rühl durch Issio Erichs Buch. Mali, Burkina Faso und Niger wurden in den letzten Jahren von Militärputschs erschüttert, zeichnet Rühl mit Erich nach, prowestliche und formal demokratisch orientierte Regierungen wurden durch mit Russland verbündete Diktaturen ersetzt. Erich beschäftigt sich, lernen wir, mit der Frage, weshalb diese Entwicklung von einem großen Teil der Bevölkerung begrüßt wird. Viele Leute freuen sich darüber, erfährt die Rezensentin von Erich, dass die Abhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich endgültig überwunden ist, die Demokratie war für sie vorher immer ein leeres Versprechen geblieben, da eh nur die Eliten entscheiden. Von der Hinwendung zu Russland erhoffen sie sich nun, beschreibt Rühl weiter den Inhalt des auf Gesprächen mit vielen Sahel-Bewohnern beruhenden Buches, mehr Sicherheit, wobei die repressiven Tendenzen der neuen Regimes durchaus gesehen und kritisiert werden. Insgesamt also ein lesenswertes Buch, das Reportage mit Analyse verbindet, freut sich Rühl.