Auf der Basis von fast 200 Interviews mit Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten beschreibt und analysiert er unter anderem das ungeklärte Selbstverständnis der Richter, eine neue junge Richtergeneration, die Feminisierung der Justiz und ihre Folgen sowie das in einigen Bundesländern gestörte Verhältnis zwischen Politik und Dritter Gewalt.
Im Mittelpunkt des Buches steht die Frage, in welchem Umfang die starke Belastung der Justiz die Verwirklichung der richterlichen Grundwerte Wahrheit und Gerechtigkeit beeinträchtigt hat. Das Ergebnis ist, dass es in der ordentlichen Gerichtsbarkeit und in den Fachgerichtsbarkeiten zu erheblichen Qualitäts- sowie Wahrheits- und Gerechtigkeitsverlusten gekommen ist. Vor allem die Wahrheitssuche hat gelitten, weil Richter verstärkt Vergleiche ohne gründliche Aufklärung des Sachverhalts anstreben und zeitaufwendige Beweisaufnahmen zu vermeiden suchen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2017
Sehr aufschlussreich und hervorragend recherchiert findet Rolf Lamprecht, was der frühere ARD-Journalist Joachim Wagner über den radikalen, von der breiteren Öffentlichkeit unbemerkten Wandel der Justiz zusammengetragen hat. So sei der Anteil der Frauen unter den Amtsrichterinnen mittlerweile auf 63 und 79 Prozent gestiegen, auch wenn es auf den Spitzenposten noch ganz anders sehe. Lamprecht ringt es Respekt ab, wie Wagner die Vor- und Nachteile der veränderten Justiz beleuchtet: der hohe Anteil von Frauen im Mutterschutz und in Teilzeit erfordere höheren Organisationsaufwand, Teilzeit-Richterinnen zeigten weniger Ehrgeiz, arbeiten allerdings effektiver. Vor allem aber mache Wagner auf eine große Veränderung aufmerksam: Die Justiz setzt heute mehr auf den beiderseitigen Nutzen als auf Wahrheitsfindung. Allerdings verrät Lamprecht nicht, ob diese Entwicklung weiblicher Konfliktlösung geschuldet sei oder einem zackigen Betriebsablauf.
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