Mit Bildern von Gerda Raidt. Auch an Weihnachten waren die Zeiten nicht immer rosig: Das Schaukelpferd wurde leider nicht abgeholt, nun muss es an den bitterkalten Abenden als Heizmaterial für den Ofen herhalten. Auch Erbsensuppe mit Speck kann ein Festtagsessen sein. Vor dem Heiligen Abend werden Stoßseufzer gen Himmel geschickt: "Lieber Gott mit Christussohn/Ach, schenk mir doch ein Grammophon!" Der große Humorist und Melancholiker Joachim Ringelnatz nimmt die Leserinnen und Leser mit in Weihnachts- und Winterzeiten, die längst vergangen scheinen …"Ringelnatz' Humor hatte eine derbe und eine sublime Seite, unnachahmlich bleibt die Grazie, mit er von der einen zur anderen hinüberwechselte", so Alfred Polgar.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.12.2025
Besinnlich geht es nun nicht unbedingt zu in den Weihnachtsgedichten von Joachim Ringelnatz, räumt Rezensent Tobias Lehmkuhl ein, aber lustig und aufregend sind die Texte ganz sicher: "Heitere Melancholie" und Spachspielereien tragen durch Weihnachtsabende, an denen plötzlich ein Zuhälter unterm Baum sitzt oder sich ein Kind wünscht, die Alkoholiker-Eltern mögen bitte noch nicht von Gott zu sich geholt werden. Auch Armut und psychische Ausnahmezustände spielen eine Rolle, die Gedichte handeln immer wieder auch von denen, die "vor dem großen Schatten geflohn" sind, "den wir Wahnsinn nennen", schildert Lehmkuhl. Ihm gefällt gerade, dass Ringelnatz sich nicht einer vermeintlich heilen Weihnachtswelt verschreibt.
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