Villa Wahnfried, September 1923. Cosima Wagner lässt ihr Leben und seine vielfältigen Stationen Revue passieren. Cosima wächst als uneheliche und ungeliebte Tochter von Franz Liszt und der Gräfin d?Agoult in einer schäbigen Wohnung in Paris auf. Ihr Aschenputteldasein findet erst ein Ende, als die junge Frau mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet wird und in Berlin das gesellschaftliche Parkett betritt. Doch es ist nicht Liebe, was Cosima sucht oder findet. Sie strebt nach gesellschaftlicher Anerkennung und sucht die Nähe zu anderen Männern, um der Frustration und Ausweglosigkeit ihrer Ehe zu entgehen. Erst die Eroberung Richard Wagners bringt ihr den Durchbruch zur gesellschaftlichen Spitze und die Bekanntschaft mit König Ludwig II. und Friedrich Nietzsche, die sie ihren ehrgeizigen Plänen unterordnet. Die Heirat mit dem Komponisten und die Gründung der Bayreuther Festspiele führen sie an das Ziel ihrer Wünsche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2006
Kein gutes Haar lässt Holger R. Stunz an Joachim Köhlers fiktiver Autobiographie Cosima Wagners, die nach dem Tod ihres Mannes 1883 die Bayreuther Festspiele international bekannt machte. Hanebüchen erscheinen ihm die Erlebnisse, die Köhler seiner Cosima andichtet, ein Treffen mit dem umschwärmten Führer Adolf Hitler etwa oder ein Verhältnis mit dem Schwiegersohn, dem Rassentheoretiker Houston Stewart Chamberlain. Auch, dass ein Großteil des Romans in nächtlichen Träumen spielt, stört Stunz erheblich - schließlich stellen die somnambulen Plaudereien in keiner Weise "tragfähige Dialoge" dar. Neben zahlreichen stilistischen Fehlgriffen moniert Stunz außerdem den äußert zähen Fortgang der Handlung. Das Urteil, das Köhler Cosima über ihren Papagei Coco fällen lässt, er sei geschwätzig und geltungssüchtig, gilt nach Ansicht des Rezensenten auch für den Autor des Werks.
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