Joachim Bessing

Untitled

Roman
Cover: Untitled
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2013
ISBN 9783462045178
Gebunden, 304 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Er schreibt über Mode, sie ist eine Philosophin. Bei einem wildfremden Bekannten begegnen sie sich am Bücherregal, entdecken ihre gemeinsame Liebe zur Antike - und dann ist nichts mehr, wie es war, nur sie leider immer noch verheiratet. Joachim Bessing schreibt in seinem zweiten Roman über die Liebe. Wie man da reingerät, was einen dort festhält, warum die Liebe wie ein Labyrinth sein kann. Sein Held, der all der Schauen, Events und Reiserei längst überdrüssig ist, lebt als Heimatloser auf angenehm unabsehbarer Suche nach etwas, für das es sich zu bleiben lohnt. Dann passiert das mit dem Bücherregal und wie Alice stürzt er durchs Kaninchenloch der Gegenwart in eine andere Welt: Liebe. Die eine, von der er immer gern gelesen hat. Und die findet nun statt. Zwangsläufig eher in Gedanken, austauschenderweise, wie es Julia nennen wird: in zahllosen E-Mails, Kurz- und Bildnachrichten.
Intensiver geht es kaum, komplizierter mit Sicherheit nicht, denn sie liebt ihn ja auch, will aber auf keinen Fall ihr Leben jenseits des Kaninchenlochs aufgeben. Und so entwickelt sich der ambivalente Reiz des Geheimen zur Aufgabe, aus der Lust wird ein Leiden an der Liebe, das wiederum eine andere Lust erzeugt. Es geht so einiges. In Wahrheit geht unglaublich viel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2013

"Wo bleiben die Hymnen, die großen Rezensionen?", wundert sich Rainald Goetz über die verhaltene Resonanz auf Joachim Bessings Roman "untitled" und verfasst kurzerhand selbst eine. Was andere Kritiker dem Roman vorwerfen, sieht der Rezensent als Stärke, die simple Story etwa, die Selbstbezogenheit oder generell die geäußerten Ansichten, von denen einige natürlich "kompletter Unsinn" sind, wie Goetz freimütig zugibt - aber genau darin, "dass man mit dem Buch und seinem Autor dauernd streitet", besteht für ihn ein besonderer Reiz des Romans. "Heiter und hell, verdrogt, abgerissen und verkommen und, am allerschönsten, unfassbar zeitgenössisch" sei dieses Buch, schwärmt der begeisterte Rezensent und verspricht, dass ganz am Ende sogar noch eine unerwartete Wendung wartet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

Marie Schmidt würde gerne gegenüber Joachim Bessings "untitled" eine positive Grundhaltung einnehmen. Ist es nicht ein Beispiel für Popliteratur, von der wir so lange nichts gehört haben? Das Thema der unerfüllten Liebe, die dank neuer digitaler Kommunikationswege nicht mehr so ausweglos erscheinen mag, weckte zunächst ihr Interesse, so Schmidt. Jedoch klebe der Blick zu sehr an der Selbstdarstellung des Protagonisten, die Geliebte komme viel weniger zur Geltung. Besonders in der zweiten Hälfte des Buches erreichten "Kitsch und Narzissmus" unerträgliche Ausmaße, so dass die Rezensentin dem Autor nicht mehr als ein "redundant verknalltes Genöle" attestieren mag.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013

Das letzte Mal, dass Tobias Kniebe etwas von Joachim Bessing gehört hatte, war zu dessen Entlassung als Stilexperte des Springer-Verlags. Es hätte getrost dabei bleiben können, gesteht der Rezensent nach der Lektüre von Bessings neuem Roman "Untitled", der für ihn kaum noch etwas mit dem "glasklaren Blick" und der "unantastbaren Sprache" früherer popliterarischer Erzählungen gemein hat. Der Protagonist und Ich-Erzähler fliegt für Luxusmarken um die Welt, vergnügt sich mit verschiedensten Drogen und wird schließlich gefeuert, fasst Kniebe zusammen. Recht unerwartet verliebt der Erzähler sich dann plötzlich und meint, seine Traumfrau und Seelenverwandte gefunden zu haben. Julia wurde ihm "vom Leben leider zu spät präsentiert", sie ist bereits verheiratet und will es auch bleiben, sehnsüchtig wartet er fortan bei seinem Handy auf Nachricht von ihr - Popliteratur war schon immer ein "Romantikerding", erklärt der Rezensent, allerdings findet sie bei Bessing vorrangig übers Smartphone statt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de