Jerome Charyn

Der Tod des Tangokönigs

Roman
Cover: Der Tod des Tangokönigs
Unionsverlag, Zürich 2000
ISBN 9783293201804
Taschenbuch, 254 Seiten, 9,66 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger. Yolanda, die Gangsterbraut, weiß nicht einmal, dass sie mit einem der mächtigsten Koka-Barone Kolumbiens verwandt ist ? mit Ruben Falcone. Yolanda wird als Lockvogel rekrutiert. Ihre Reise führt über New York nach Medellín bis in den kolumbianischen Regenwald. Amerikanische Geheimagenten, der legendäre Tango-König und seine Königin, Todesschwadronen, eine rabiate Straßenkinder-Gang und ein verlorener Indianerstamm, der sich im Regenwald versteckt und auf Kondorfeder-Flügeln fliegt ? in den Wirren der Halb- und der Unterwelt sind alle Figuren überlebensgroß, auch jener weltberühmte kolumbianische Schriftsteller, der Präsident des Landes wird und den Drogenbaron zu seinem Robin Hood macht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2001

Ralph Dutli bespricht ein autobiografisches und ein fiktives Buch von Charyn und findet sie beide aus dem gleichen Stoff gemacht.
1. Jerome Charyn: Die dunkle Schöne aus Weißrußland.
Dieses Buch über die Kindheit des Autors, in dem er als Fünfjähriger vor allem seine Mutter anhimmelt, geht dem Rezensenten ziemlich auf die Nerven. Es ist ihm zu sentimental und "blumig" und außerdem kann er den Mythos von der "Superlativ-Mutter" irgendwann einfach nichts mehr hören.
2. Jerome Charyn: Der Tod des Tango-Königs.
Auch diesen Kriminalroman geißelt der Rezensent als "sentimentales Bronx-Märchen". Ihn stören die vielen lateinamerikanischen Ausdrücke, mit denen der Autor "kokettiert", und er tut das ganze Buch als "Romänchen" ab. Die geschilderte Welt sei ein "sonderbar geschöntes Märchenreich", kritisiert Dutli, der diesem "modischen Mix" nichts abgewinnen kann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2001

In einer Doppelrezension bespricht Jörg Häntzschel zwei Bücher von Jerome Charyn. Zwar sei das eine autobiografisch, das andere ein Roman, verbindend bleibe allerdings die Struktur, nach welcher die Geschichten aus "Gerüchten und Anekdoten, Melodramen und Komödien" zusammengesetzt sind.
1.) Jerome Charyn: "Die dunkle Schöne aus Weißrussland" (Alexander Fest)
Die Kindheitserinnerungen an die New Yorker Bronx zeichnet laut Häntzschel eine "Sensibilität" aus, die mit "europäischer Melancholie und sehr viel Tragikomik" vermischt ist. Es sei der Blick eines Kindes, das sich in einer Welt bewegt, die aus verschiedensten Mosaiken zusammengesetzt ist. Dem Autor gelinge es einerseits ein idealisiertes "wunderbar rundes Porträt" seiner Mutter zu zeichnen, und trotzdem die naheliegenden "Mafia-Klischees" der Bronx zuverlässig zu vermeiden, rühmt Häntzschel und verspricht, dass Charyns Protagonisten "witziger und tragischer" sind, als alle "De Niros" die wir Leser kennen. 2.) ders: " Der Tod des Tangokönigs" (Unionsverlag)
Weitaus weniger gelungen findet Häntzschel diesen Roman, in dem eine "Gangsterbraut" von New York nach Kolumbien geschickt wird, wo sie im Auftrag der Regierung spionieren muss. Dort verliert sie sich - wie nicht anders zu erwarten, Häntzschel meint - selbst in den üblichen Netzen von "Verschwörungen, Machtkämpfen und Romanzen". Die Figuren haben zwar alle "mehrere Gesichter", und die Grenzen zwischen "Wahrem und Erfundenem" verschwimmen, so richtig in Gang kommt der Roman aber nicht, klagt der Rezensent. Er Rezensent meint, dass Charyn wohl so etwas wie Thomas Pynchons "paranoides Weltgemälde" vorgeschwebt hat, doch sei sein "Atem" dafür zu kurz.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.08.2000

Jerome Charyn, so der Rezensent Robert Brack, ist "einer der außergewöhnlichsten Krimi-Autoren" der USA. Er liebe die Karikatur und die Groteske, seine Romane bewegten sich in der Nähe zu Comics. In einer Doppelrezension werden von Brack Charyns neuester Roman und der autobiografische Text "Die dunkle Schöne aus Weißrussland" besprochen.
1) "Der Tod des Tango-Königs" (Unionsverlag/Metro)
Charyns neuer Roman spielt nicht, wie üblich, in New York, sondern in der kolumbianischen Stadt Medellin - und damit ist der Drogenmafia-Hintergrund bereits vorgegeben. Die Heldin Yolanda gerät in ein Gewirr von Machtkämpfen, Verschwörungen und Terror, wie der Leser erfährt. Charyn mixt aus diesen Zutaten eine "hyperreale" Wirklichkeit, in der sich "der gesamte irrationale Wahnsinn des globalen Zeitalters" entdecken lässt, so Brack.
2) "Die dunkle Schöne aus Weißrussland" (Alexander Fest Verlag)
Nur etwas weniger hyperreal als die Welt seiner Romane ist die Welt der Bronx, in der der Autor in den 40er-Jahren aufwuchs, merkt Brack an. Charyns hier geschildertes eigenes Leben zwischen den verschiedensten Subkulturen sei alles andere als ereignislos gewesen. Tatsächlich handelt es sich auch bei den Erinnerungen beinahe um einen "Roman noir" mit jeder Menge Intrigen und Komplotten, so der Rezensent.
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