Jeroen Olyslaegers

Weil der Mensch erbärmlich ist

Roman
Cover: Weil der Mensch erbärmlich ist
DuMont Verlag, Köln 2018
ISBN 9783832198763
Gebunden, 368 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel und Gregor Seferens. Wie verhalten sich Menschen in Zeiten, in denen humanitäre Werte auf dem Spiel stehen? Wilfried Wils diente als Hilfspolizist im besetzten Belgien der SS. Mit über neunzig blickt er auf sein Leben zurück. Die Kriegsjahre - eine Zeit, in der sämtliche moralischen Regeln außer Kraft gesetzt sind, eine Zeit, in der auch Wilfried Wils versucht, sich mit allen gut zu stellen, mit seinen antideutschen Landsleuten wie mit den Besatzern. Er wirkt mit bei der Deportation von Juden und bewegt sich doch in den Widerstandszirkeln, in die ihn sein bester Freund Lode einführt. Tatsächlich gelingt es ihm so zu überleben - als Opfer und Täter zugleich, mit schmutzigen Händen und einer ordentlichen Portion Pragmatismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2019

Rezensent Wolfgang Schneider hat selten einen literarisch so raffinierten und eindringlichen Text über die moralischen Zwänge und Ambivalenzen der Kollaboration und den Kollaborateur als prägende Gestalt des 20. Jahrhunderts gelesen wie diesen. Der Roman des flämischen Schriftstellers Jeroen Olyslaegers um einen jungen Hilfspolizisten in Antwerpen nach dem Einmarsch der Deutschen besticht für ihn aber auch durch Alltagsbeschreibungen aus der Besatzungszeit und durch den in der Übersetzung gut rüberkommenden Ton später Selbstrechtfertigung. Auch wenn die Konstruktion des Textes als Beichte Schneider nicht immer überzeugt, findet er die Wahrhaftigkeit und Ironie des Erzähler-Monologs beeindruckend.

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