Der Tintenklecks als Abstoßpunkt ins Meer der Fantasie, die Fotografien, auf denen alle gleich (alt) und bürgerlich aussehen, die Abendzigarette vor dem Haus, die einer Askese eher gleicht als einer Sucht, die Spieluhr, die noch einmal klimpert, der Volksempfänger, der noch einmal brüllt; der Haken des Selbstmörders neben dem Kronleuchter. Die Dinge stehen für das Schweigen ihrer einstigen Besitzer und müssen doch eine ganze Menge "wissen". Genau und beharrlich betrachtet öffnen sie sich und geben dieses Wissen preis. Jede Generation hat irgendwann ihre gute alte Zeit! In diesem privaten Raum, in der Wohnung des Autors spiegeln sich die großen Umwälzungen der Zeit. Und stets bricht das Gelesene in die Erinnerung ein, die Liebe zur Literatur, und färbt das Private, das Persönliche neu.
Hymnisch bespricht Rezensent Ulrich Rüdenauer dieses schmale Bändchen des Dresdner Autor Jens Wonneberger, das der Kritiker der Gattung "Zimmerreise" zurechnet. Denn genau wie seine Vorgänger zum Ende des 18. Jahrhunderts nimmt uns der Schriftsteller anhand von Gegenständen in die "verborgensten" Plätze seines Inneren. So blickt der Rezensent einem Archäologen gleich mit Wonneberger auf einen Ahnenpass, Kriegsdevotionalien oder einen Tintenfleck und bewundert, mit welcher Leichthändigkeit und "Eleganz" der Autor noch jedes kleinste Detail so exakt zu beschreiben vermag, dass es der Kritiker vor den eigenen Augen stehen sieht.
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