Wie leben wir? Wie gehen wir mit Dingen um? Wie sieht unser Dasein aus inmitten unzähliger Gegenstände? Dinge wirken auf uns ein. Sie besetzen einen eindrücklichen Platz im Bewusstsein. Ohne sie uns vorsätzlich merken zu müssen, tragen wir sie zeitlebens mit uns herum. Ihr Bild bleibt uns vor Augen. In der Erinnerung an die Schultasche, an ein luftiges Sommerkleid, an den ersten Gebraucht-Pkw werden wir fähig, unsere persönliche Geschichte festzumachen. Dinge sind keineswegs nur Spiegel, in denen wir uns reflektieren. Wir benutzen sie ja Tag für Tag und sind fortwährend dabei, sie unseren Erfordernissen anzupassen - ohne immer zu ahnen, wie sehr wir umgekehrt auch ihnen angepasst werden. Zwar können Gegenstände uns gleichgültig lassen, unsere Wahrnehmungsfähigkeit ihnen gegenüber kann sich abschleifen. Dann genügt ein Missgeschick, ein Defekt, und schon treten sie aus unserer Gewohnheit und ihrer Gewöhnlichkeit heraus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2010
Überwiegend angetan zeigt sich Oliver Pfohlmann von Hansjürgen Bulkowskis Meditationen über alltägliche Dinge wie Kirschen, Taschenmesser, Fahrkartenautomaten oder tote Insekten. Die Aufmerksamkeit für die konkreten Dinge offenbart für ihn, wie wir miteinander umgehen, wie wir mit der Welt in Kontakt stehen und wie wir in der Beschäftigung mit diesen Dingen auch auf uns selbst zurückgeworfen sind. Nicht mit allen Texten kann der Rezensent gleich viel anfangen. Manche jedoch glänzen für ihn mit "subtilen Beobachtungen". Besonders interessant findet er Beschreibungen von Dingen, die sich aus ihrem funktionalen Verwendungszusammenhang gelöst haben und dadurch rätselhaft werden.
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