Ein Fakt ist eine wissenschaftlich überprüfbare Tatsache, eine Meinung hingegen das Ergebnis persönlicher Überzeugungen und Ansichten. Aber welche Rolle spielen dann subjektive Deutungen in der Wissenschaft? Und wann wird aus einer Einzelmeinung wissenschaftlicher Konsens? Neurowissenschaftler und Bestsellerautor Jens Foell widmet sich in seinem neuen Buch dem Spannungsfeld von Fakten und Fiktionen in der Naturwissenschaft: Er folgt dem Gang wissenschaftlicher Erkenntnis in Psychologie, Physik, Chemie und Medizin von der Beobachtung über die Hypothesenbildung bis zur Kommunikation. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt er so, warum auch in der Wissenschaft Fakten oft eher Meinungen sind - und warum es doch unumstößliche Tatsachen gibt. Ein Buch, mit dem sich Denkfehler vermeiden lassen und das genau recht kommt in Zeiten aufgeheizter Debatten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024
Nicht durchweg glücklich mit Jens Foells Buch wird Rezensentin Sonja Zekri, obwohl sie durchaus Relevantes erfährt darüber, wie Daten in der Wissenschaft verwendet werden. Tatsächlich, erklärt sie, sind Daten ohne ihre Kontextualisierung und Interpretation wenig wert, wie der Neuropsychologe unter anderem mit Blick auf den Marshmallow-Test ausführt, der die Resilienz von Menschen bereits im Kindesalter vorherzusagen behauptete, was inzwischen nicht mehr ohne Weiteres haltbar ist. Keineswegs will Foell auf verschwörungsnahe Wissenschaftsskepsis hinaus, stellt Zekri klar, aber wenn im Buch argumentiert wird, dass unbeweisbare Thesen wie die einer im Hintergrund die Fäden spinnenden Elite wissenschaftlich unbrauchbar sind: Was ist dann genau gewonnen? Im Kampf gegen politische Instrumentierung von Wissenschaft nützt dieses zudem sprachlich oft wenig elegante Buch wenig, bedauert die Rezensentin, die Foells Ausführungen vor allem da gerne folgt, wo der Autor sich von der Forschungspraxis entfernt und über Meinungsproduktion im Alltag schreibt.
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