Seit Jahrzehnten wissen wir um die Erderwärmung und ihre Gefährlichkeit. Dennoch nehmen die globalen Treibhausgasemissionen weiter zu. Offenbar gelingt es uns nicht, den Klimawandel zu stoppen. Wie lässt sich dieses Versagen erklären? Warum reagieren Gesellschaften so zögerlich auf diese Bedrohung? In seinem neuen Buch gibt Jens Beckert eine Antwort. Dass die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen werden, liegt an der Beschaffenheit der Macht- und Anreizstrukturen für Unternehmen, Politiker, Wähler und Konsumenten. Die bittere Wahrheit ist: Wir verkaufen unsere Zukunft für die nächsten Quartalszahlen, das kommende Wahlergebnis und das heutige Vergnügen. Anhand von zahlreichen Beispielen und mit sozialwissenschaftlichem Besteck zeigt Beckert, warum es sich beim Klimawandel um ein "tückisches" Problem handelt, an dem die sich seit 500 Jahren entwickelnde kapitalistische Moderne aufgrund ihrer institutionellen und kulturellen Strukturen fast zwangsläufig scheitern muss. Die Temperaturen werden also weiter steigen, die sozialen und politischen Auseinandersetzungen werden sich verschärfen. Anpassungsfähigkeit, Resilienz und vor allem solidarisches Handeln sind gefragt. Daraus ergeben sich Aufgaben für eine realistische Klimapolitik.
Rezensentin Julia Hubernagel lobt den Realismus, mit dem Jens Beckert sich der Klimakrise und den Chancen auf ein Leben unter ihren Bedingungen widmet. Hubernagel macht klar: Das Buch ist kein revolutionäres. Eher versuche der Autor "den Pessimismus zu organisieren". Eben das macht Beckert ganz gut, findet die Rezensentin, indem er kleinen Veränderungen Bedeutung beimisst, die das Bewusstsein für die "Klimaproblematik" erhöhen. Mit erschreckenden Zahlen, Fakten und Statistiken macht das Buch deutlich, dass klimapolitisches Engagement weiterhin wichtig ist, so Hubernagel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024
Rezensent Joachim Müller-Jung findet Trost beim Gesellschaftsforscher Jens Beckert. Dabei lässt Beckert wenig Hoffnung auf einen Stopp des Klimawandels, schon weil dieser nicht in die kapitalistische Logik passe und die Krise multidimensional sei. Auch grünem Wachstum traut der Autor nicht über den Weg. Dennoch: Beckerts gut recherchierter, hysteriefreier "pessimistischer Realismus", der eine machbare Klimapolitik sowie die aktive Anpassung für das Gebot der Stunde hält, scheint dem Rezensenten allemal lieber zu sein als das Klimadiktat einer ökologischen Elite.
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