Jens Beckert

Unverdientes Vermögen

Soziologie des Erbrechts
Cover: Unverdientes Vermögen
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783593375922
Kartoniert, 423 Seiten, 27,90 EUR

Klappentext

Jedes Jahr wird in Deutschland Vermögen im Wert von über 150 Milliarden Euro vererbt. Wie aber lässt sich die private Vermögensvererbung mit dem Selbstverständnis der Leistungsgesellschaft vereinbaren? Darüber diskutieren seit über 200 Jahren Politiker, Philosophen, Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen. Die Vermögensvererbung ist dabei nicht nur unter normativen Gesichtspunkten umstritten. Die Folgen "unverdienten Vermögens" für die Familie, für die Wirtschaft und für die Demokratie wurden ebenso kontrovers debattiert. Jens Beckert zeichnet die Auseinandersetzungen um das Erbrecht in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten nach, wobei in jedem der drei Länder andere Aspekte im Vordergrund stehen. In den USA sind es die Chancengleichheit und die Gefahr der Vermögenskonzentration für die Demokratie, in Deutschland der Zusammenhalt der Familie und soziale Gerechtigkeit, in Frankreich das Prinzip der Gleichheit und die Struktur von Familienbeziehungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2004

Erben ist nicht selbstverständlich, teilt Thomas Kreuder nach Lektüre der gelungenen Studie von Jens Beckert mit. Will heißen: Bestimmte gesellschaftliche Prozesse und Diskurse haben zum Erbrecht geführt, wie wir es kennen. Diese Prozesse aber verliefen in verschiedenen Ländern unterschiedlich und führten zu mitunter ganz verschiedenen Ergebnissen. Beckert rekonstruiert diese Entwicklungen deshalb vergleichend an den Beispielen des US-amerikanischen, französischen und deutschen Erbrechts. Das Ergebnis: Das deutsche Erbrecht ist "archaisch" und wurde nie so richtig hinterfragt - die Familie erbt, der Erblasser kann nur einen Teil seines Vermögens nach eigenem Gutdünken verteilen. Kreuder wundert sich mit dem Autor, dass selbst die Sozialisten sich nie für dieses Thema interessierten. Anders in den USA: Dort, so Kreuder, darf der Erblasser machen, was er will - dahinter stecke die Absicht, die Möglichkeit von "dynastischen Vermögenskonzentrationen" und "unverdientem Vermögen" zu verringern. In Frankreich dagegen wurde während der Revolution die Testierfreiheit eingeschränkt, um Adel und Klerus zu schwächen. In beiden Ländern wurden die Debatten auf "hohem philosophischen und sozialwissenschaftlichen" Niveau geführt - anders als in Deutschland. Hier ist Erben vielleicht doch irgendwie selbstverständlich.
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