Jean Stafford

Die Berglöwin

Roman
Cover: Die Berglöwin
Dörlemann Verlag, Zürich 2020
ISBN 9783038200727
Gebunden, 352 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Adelheid und Jürgen Dormagen. Die achtjährige Molly und Ralph, ihr zehnjähriger Bruder, sind unzertrennlich. Gemeinsam setzen sie sich gegen die nervigen Routinen des Schulalltags zur Wehr, gegen ihre überkorrekte Mutter und die zimperlichen älteren Schwestern. Und vielleicht sogar gegen den Rest der Welt. Eines Sommers werden sie aus ihrem vornehmen Vorort von Los Angeles nach Colorado geschickt, wo ihr Onkel eine Ranch besitzt. Dort lernen die Kinder eine hinreißende neue Welt kennen - wild, schön und ungezähmt. Als ihrer beider Kindheit zu Ende geht, träumt Molly vom Erwachsensein und davon, Schriftstellerin zu werden, während Ralph seine wachsende Männlichkeit verspürt. Kindliche Unschuld und drängende Jugend stürzen unausweichlich auf ein verheerendes Ende zu.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2020

Höchste Zeit, die amerikanische Autorin Jean Stafford wiederzuentdecken, findet Rezensent Martin Halter und freut sich entsprechend über die neue Übersetzung von Staffords Roman "Die Berglöwin" aus dem Jahr 1947. Erzählt wird die Geschichte der nicht besonders hübschen und liebenswerten, "schroffen und kalten" Molly, die, von der Mutter ungeliebt, sich an ihren Bruder klammert und nach dem Verschwinden der Mutter mit ihrem Bruder auf der Ranch eines Onkels zwischen groben Cowboys, Rinderzüchtern und Pumas aufwächst, resümiert der Kritiker. Molly und ihr Bruder entfremden sich zunehmend, aus geschwisterlicher Zuneigung wird Hass und Molly wird zur "selbstzerstörerischen Dichterin", fährt der Rezensent fort, der Ähnlichkeiten zwischen der Autorin und ihrer Heldin erkennt. Ein sinnlicher Roman über eine Kindheit, der die "verflixt verwegene Schönheit" der Berge ebenso wie die Selbstständigkeit von Kindern feiert, schließt er.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2020

Für Christoph Schröder ist Jean Staffords Roman von 1947 erstaunlich radikal. Eine Wiederentdeckung ist das Buch für ihn vor allem wegen seiner unkonventionellen Ausgestaltung einer Coming-of-Age-Geschichte. Ganz ohne Idylle und Nostalgie erzählt die Autorin laut Schröder von zwei Geschwistern zwischen gegenseitiger Bewunderung und Konkurrenz, schafft Verwirrung durch ab- und zunehmende Distanz zwischen Erzählstimme und Figuren und zeichnet differenzierte Charaktere, ohne das deren Motivationen für die Leserin berechenbar würden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2020

Berührt und beeindruckt bespricht Angela Schader Jean Staffords wiederentdeckten Roman "Die Berglöwin" aus dem Jahr 1847. An Henry James und Mark Twain geschult sieht die Rezensentin die Autorin, wenn Stafford einfühlsam dem kindlichen Geschwisterpaar Molly und Ralph in Gefühlswelten folgt, die von "schmerzvoller Ahnungslosigkeit" geprägt sind, doch nichts werde hier "schrill oder vordergründig", versichert Schader, die nur andeutet, welche Dramen sich zwischen Molly und Ralph auf der Ranch des Onkels in Colorado abspielen werden. Vor allem aber die Motive und Milieuskizzen, in die Stafford die Geschichte um die beiden Kinder einbettet, tragen der Rezensentin zufolge zum inhaltlichen und strukturellen Reichtum des Textes bei.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.05.2020

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Geschwister Molly und Ralph, die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Außenseiter einer Bildungsfamilie in der Nähe von Los Angeles aufwachsen, erklärt Rezensent Fokke Joel. Sind die Kinder zunächst ganz einander zugewandt, wird ihre Beziehung mit zunehmendem Alter immer ambivalenter, verrät der Kritiker: Ralphs erwachtes Interesse an der Lebensweise seines Onkels, eines Farmers in Colorado, treibt sie ihm zufolge auseinander. Weil das Geschehen laut Joel sehr nüchtern von außen beschrieben wird, wurde der Rezensent beim Lesen nicht durch Sympathien in eine bestimmte Richtung gedrängt, was ihn zum Nachdenken angeregt hat - inspirierend und unterhaltsam zugleich, schließt Joel.
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