Jean Paul

Der Komet

Roman
Cover: Der Komet
Manesse Verlag, Zürich 2002
ISBN 9783717519980
Gebunden, 768 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Der Apothekerssohn Nikolaus Marggraf, eigentlich illegitimer Sproß eines Fürsten, ist der Held von Jean Pauls "rein-komischem Pantheon". Bei alchimistischen Versuchen entdeckt Nikolaus die Kunst, Diamanten herzustellen. Über Nacht zu Reichtum gelangt, macht er sich auf die Suche nach seinem wahren Vater. Doch seine träumerische Naivität läßt die Reise zu einer närrischen Odyssee geraten. In der witzig-bizarren Realitätsferne des Anti-Helden wird - ähnlich wie in Cervantes "Don Quijote" - der Welt ein Zerrspiegel vorgehalten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002

"Sieben herrliche Buchabende" hat Sybille Lewitscharoff mit Jean Pauls Neuauflage seines späten Romans verbracht, die Ausgabe von Manesse hat ihr zudem so gut gefallen, dass sie den Band als "Handschmeichler" empfehlen kann. Jean Pauls köstlich-komische Beschreibung der Eskapaden eines edlen Narren hat die Rezensentin so angeregt, dass sie die Geschichte während einer schlaflosen Nacht weitergesponnen hat. Das liegt sicher auch an der Eindrücklichkeit, mit der Paul die Gedankenqualen des wahnsinnigen Gegenspielers des Protagonisten beschreibt sowie an den Figuren-Konstruktionen, die Lewitscharoff als "geradezu schwindelerregend" adelt. In diesem Roman sei Jean Paul in Bestform, schreibt sie, weit entfernt von dem "Idylliker und Schnurrendichter", für den man ihn fälschlicherweise oft halte. Und auch die ausschweifenden Exkurse des Autors erscheinen ihr als durchweg "vergnüglich", kurz: "Alles ist am rechten Platz."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002

Sibylle Lewitscharoff ist hingerissen von diesem Buch, das Jean Pauls letztes erzählerisches Werk ist und unvollendet blieb. Die Hauptperson dieses sehr komischen Romans, ein wahnsinniger Apothekersohn, hält sich für einen Fürstenabkömmling und reist mit einem großen Stab von Leuten durch die Lande, wobei er überall wo er hinkommt sein Geld verschenkt, teilt die Rezensentin mit. Sie berichtet auch von einem zweiten Wahnsinnigen, dem "Ledermenschen", der in dem Roman als Widerpart zur Hauptfigur vorkommt und bemerkt dazu, dass bei aller Komik wohl kaum jemand die Gedankenqualen von Wahnsinnigen so "eindrücklich" beschrieben habe wie Paul. Die Kritik, er baue zu viele Abschweifungen in seine Geschichten ein, die beispielsweise Heinrich Heine gegen den Schriftsteller geäußert hat, will die Rezensentin insbesondere für diesen Roman nicht gelten lassen, und sie betont, "alles" sei "am rechten Platz". Allerdings sei vom Leser ein "beweglicher Kopf" gefordert, um allen skurrilen Einfällen der Geschichte folgen zu können, stellt Lewitscharoff klar.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2002

In einer ausführlichen, fast halbseitigen Rezension verbeugt sich Uwe Schweikert vor Jean Paul. "Was sich zwischen zwei Buchdeckeln eines Paul'schen Romans entfaltet, ist die überbordende Einbildungskraft", schwärmt Schweikert. Mit seinen Werken habe der Dichter eine mit "satirische Vernichtung einer abgelebten Wirklichkeit" entgegengesteuert. Dies gelte vor allem für den 1820/ 22 erschienenen "Komet". Der Anti-Held des Buches ist ein harmloser Fantast, der glaubt er sei der Abkömmling eines Fürsten. Die anderen Figuren haben ganz ähnliche Selbstwahrnehmungen, so dass in dieser Geschichte alles zum Schein wird. Diese "Galerie menschlicher Schwächen" gehöre zu den "Glanzlichtern der Komik", jubelt Schweikert. Den Übergang zwischen Schein und Sein findet man auch im Autobiografischen Pauls. Durch den Rezensenten erfahren wir, was Jean Paul in das Studienheft schrieb: "Der Held ist mit dem Jean Paul zu verschmelzen." In seiner schön zu lesenden Rezension gräbt Schweikert noch einige Zitate von Paul hervor. Tadel gibt es für den Dichter, der "beim Schreiben einzig dem Kompass des subjektiven Gedankenflusses" folgte, kaum. Nur die Ausschweifungen von Paul, die oft nichts mit der Geschichte zu tun haben, rügt der Rezensent nachsichtig. "Selbst die Auflistung seiner sämtlichen Werke erspart er uns nicht."
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