Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2002
Jean Krier schreibt exquisite Gedichte, findet Angelika Overath, die ihrem Titel "Tableaux - Sehstücke" auch editorisch alle Ehre machten und sich tatsächlich sehen lassen könnten. Overath bedauert zutiefst, dass der saarländische Dichter zu den Unbekannten zählt und auch dieser neue inhaltlich wie buchgestalterisch beeindruckende Band daran nichts ändern wird. Krier habe einen Hang zur rhythmisierten Prosa, beschreibt Overath Kriers lyrischen Stil, die Gedichte seien meist langzeilig und im Duktus mal elegisch, mal sarkastisch. De Gedichtband ist in zwei Teile unterteilt, wobei sich der erste Teil "Marines" der nördlichen Meereslandschaft verschrieben hat und der zweite "Memento" eher mediterrane Eindrücke festhält. Die "Sehstücke" klauben kaputte Redensarten, fremdsprachliche Brocken, Fragmente literarischer Zitate auf, schreibt Overath, sie erhaschten die Umgebung aus den Augenwinkeln und formulierten sie zu "Restempfindungen". Immer aber seien die "Sehstücke" auch "dichtungstheoretische Seestücke", behauptet die Rezensentin, in denen die Sprache Wörter aufgreift oder treiben lässt wie das Meer sein Strandgut. Für Overath die schönste Buchveröffentlichung der Saison.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2002
Es handelt sich um den zweiten Lyrikband von Jean Krier, der im übrigen aus Luxemburg stammt, wie man in der kurzen Kritik von Nico Bleutge erfährt. Bleutge kommt auf den Titel zu sprechen und meint, mit kontemplativer Betrachtung oder ausdauernder Beobachtung hätten die Gedichte nichts gemein. Sie zeugten vielmehr von einem hektischen Blick, der den dabei eingefangenen Assoziationen andeutungsweise eine Perspektive verleiht. Das lyrische Ich erweist sich dabei als ausgesprochen flüchtig, sprunghaft, aber wortgewandt, es hüpft - leichtfüßig, meint Bleutge - von Motiv zu Motiv, wirft Sprache und Dialekte durcheinander, variiert Rhythmen und dreht Redensarten herum. Manches wirke ein wenig überdreht, so Bleutge, aber alles in allem macht es ihm Spaß, in dieser Schule des "unruhigen Sehens" zu Gast zu sein.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…