Klappentext

Aus dem Französischen von Anke Beck. Egal ob sie sich ein sündhaft teures Designertäschchen unter den Arm klemmen oder einen bunten Baumwollbeutel vom Flohmarkt über die Schulter hängen Frauen lieben ihre Taschen heiß und innig und hüten sie wie einen Schatz. Einen Griff in ihre Handtasche empfinden sie als Verletzung ihrer Intimsphäre. Sie ist selbst für ihre engsten Vertrauten tabu. Für Jean-Claude Kaufmann aber öffneten einige Frauen bereitwillig ihre Taschen und gewährten ihm einen Einblick in deren Innenleben. Natürlich entdeckte der französische Soziologe mehr als Ausweise, Geld, Schlüssel, Mobiltelefone, Kugelschreiber und Lippenstifte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Einen zwiespältigen Eindruck hat Jean-Claude Kaufmanns Untersuchung von Damenhandtaschen bei Rezensentin Andrea Roedig hinterlassen. Die Thesen des französischen Soziologen, der Internetforen und zahllose Mails von Handtaschenbesitzerinnen ausgewertet hat, findet sie durchaus sehr interessant, etwa wenn die Damenhandtasche als psychische und körperliche Selbsterweiterung oder auch als ein Medium der Selbsterzählung interpretiert wird. Sie bescheinigt Kaufmann genaue Beobachtungen, die eine hinter der banalen Oberfläche liegende Tiefendimesion offenbaren. Weniger gefällt Roedig der Stil des Buchs, vor allem der "joviale und süffisante Ton" des Autors geht ihr ziemlich auf die Nerven. Die Untersuchung klingt in ihren Ohren geradezu nach der "Champagnerlaune eines älteren Herren, der sich von den Damen mal was zeigen lässt". Zudem hätte sich die Rezensentin von Kaufmann mehr Denkfreudigkeit gewünscht und moniert eine mangelnde Reflexion des Verhältnisses von Symbol und Geschlechterinszenierung.