Aus dem Spanischen von Anja Lutter. Alle vier Jahre tagt in Paris die Internationale Generalkonferenz für Maß und Gewicht. Doch für den spanischen Delegierten und namenlosen Erzähler dieses außergewöhnlichen Romans nimmt die Konferenz eine unvorhersehbare Wendung: Den Standardkilostein als Eichmaß im Gepäck, wird er in einem Fastfood-Restaurant Zeuge davon, wie ein alter Mann ausgesetzt wird. Mehr oder weniger unfreiwillig nimmt er sich des Fremden an, auf dessen Unterarm eine geheimnisvolle Tätowierung in kyrillischen Buchstaben prangt. Als sich herausstellt, dass es sich bei dem Alten um den Atomphysiker Wassili Nesterenko handelt, dank dessen Intervention damals in Tschernobyl noch Schlimmeres verhindert werden konnte, verwischen sich die Grenzen zwischen Fiktion und Fakten vollends.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2012
Zunächst lässt sich Florian Borchmeyer gefangen nehmen von dem fantastischen Versuchsaufbau des Romans von Javier Sebastian, der den Leser in die Geisterwelt der Landschaft um Tschernobyl mitnimmt und diese auch noch bevölkert - mit System- und Lebensaussteigern, Gestrandeten und Verfolgten. Diesen Ort jenseits von Raum und Zeit wieder zum Leben zu erwecken, findet Borchmeyer eine schöne Idee, das Changieren des Settings zwischen Wirklichkeit und Irrealität gefällt ihm. Allerdings liegt in dem vom Autor selbstverständlich wohl kalkulierten Spiel auch ein Problem. Dann nämlich, wenn Sebastian seiner Geschichte Fakten beimengt, die dem Ganzen den Anschein des Dokumentarischen geben. Hier kommt es zu Unstimmigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten, die Borchmeyer stören. Den Anspruch, mit dem Roman ganz real die Atomlobby zu kritisieren, meint der Rezensent weiter, wird andererseits durchkreuzt von den fantastischen Elementen des Textes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.07.2012
"Osteuropäische Apokalypse trifft behäbiges Kerneuropa", empfiehlt uns Jutta Person diesen Roman des Spaniers Javier Sebastian, der von dem Grüppchen verzweifelter Menschen erzählt, die heimlich in die weißrussische Geisterstadt Prypjat zurückkehrt sind. Fakten und Fiktion sieht die Rezensentin hier wundersam miteinander verbunden, den titelgebenden Radfahrer hat es aber auf jeden Fall gegeben, es handelt sich um den weißrussischen Atomphysiker Wassili Nesterenko, der für sein Engagement von den Behörden mit dem Tod bedroht wurde. Dankbar ist Person, dass der Autor mit diesem Roman an die große Katastrophe von Tschernobyl erinnert und attestiert ihm Feingefühl und Witz.
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