Klappentext

Aus dem Englischen von Isabel Bogdan. Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel - seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.01.2016

Wie schön, dass Jane Gardams "Ein untadeliger Mann" erst Band Eins einer Trilogie ist, freut sich Rezensentin Susanne Mayer. Gardam erzählt die Geschichte von Edward Feathers, einem alten Richter des britischen Empires, erfahren wir. Sie verschachtelt Feathers' letzte Lebensmonate mit seinen Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an die Verfrachtung aus Malaysia nach England und den Missbrauch in den Internaten, fasst Mayer zusammen. Vieles fällt der Verdrängung anheim, aber die Geister entfalten ihre Wirkung auch ohne beim Namen genannt zu werden und dem heiteren Ton des Buches zum Trotz, verrät die Rezensentin, die schon gespannt darauf wartet, wie Gardam die Geschichte wohl fortsetzen wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2015

Franziska Augstein lobt nicht nur die Übersetzung dieses ersten, im englischen Original 2004 erschienenen Bandes von Jane Gardams Trilogie um den britischen Aufsteiger Edward Filth. Gardams Erzähltalent scheint ihr bemerkenswert und unerhört daher die weitgehende Unbekanntheit der Autorin bei uns. Wie das Leben britischer Kolonialfamilien in Hongkong, Singapur und Malaysia aussah, vermittelt ihr Gardam mit Exotik, ironischem Witz und Einfühlungsvermögen. Wie gekonnt die Autorin mit verschiedenen Zeitebenen umgeht, ohne den Leser zu verwirren, hat Augstein schwer beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2015

Cornelia Geissler ist begeistert von dieser Neuentdeckung. Jane Gardam ist zwar in England bekannt, bei uns kommt sie jedoch mit diesem Buch zum ersten Mal raus. Ganz zur Freude von Geissler, die in der Geschichte über aus Hongkong in die englische Heimat zurückkehrende Kronkolonisten feine Charakter- und Milieuzeichnungen vorfindet. Das Buch handelt von Vorurteilen und verdrängten Ängsten zwischen zwei Welten, erläutert Geissler, die der Roman von seinem Aufbau und seiner Dramatik her an Werke von Ian McEwan erinnert.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.10.2015

Endlich wird eine große englische Erzählerin in Deutschland entdeckt, freut sich Rezensent Rainer Moritz. Dieser Roman über "Old Filth", einen alten ehemaligen Richter aus besten Kreisen, ist nur Teil einer Trilogie, deren andere Teile Hanser Berlin noch herausbringen wird, freut sich der Rezensent. Er bewundert, wie die Erzählerin Gegenwart und Vergangenheit dieses Filth, der nach dem Tod seiner Frau selbst an seiner prächtigen Fassade zu rütteln beginnt, ineinander verschränkt. Das alles ist very british und überdies ausgezeichnet übersetzt, so Moritz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2015

Nach zahlreichen Romanen und Erzählungen und im Alter von 87 Jahren ist die englische Autorin Jane Gardam mit ihrem Roman "Ein untadeliger Mann" endlich auch hierzulande zu entdecken, freut sich Rezensentin Felicitas von Lovenberg. Höchste Zeit, wie sie fortfährt, denn Gardam verstehe es meisterhaft, Ironie und Psychologie miteinander zu verbinden. Derart angetan liest die Kritikerin die Geschichte um den äußerst reinlichen, betagten und exzentrischen "Old Filth", der nach dem Tod seiner Ehefrau und dem Entdecken ihrer Affäre mit seinem Rivalen Terry, seinen jahrelang trainierten Verdrängungsmechanismus nicht mehr kontrollieren kann und in die Vergangenheit zurückreist. Großartig, wie es der Autorin gelingt, mitfühlend und respektvoll von den Schicksalsschlägen des liebenswerten alten Mannes zu erzählen, der als Kind britischer Eltern in Malaysia geboren wird, im Alter von vier Jahren nach Großbritannien zu Pflegeeltern kommt und dort seelische und körperliche Grausamkeiten erleidet, meint die Rezensentin. Gardams kunstvolle Mischung aus leiser Komik und großer Diskretion, aber auch Isabel Bogdans brillante Übersetzung machen diesen Roman zu einem großen Lesevergnügen, schließt Lovenberg.
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