Aus dem Amerikanischen von Max Henninger. In den letzten Jahren findet die Materialität in der politischen Theorie vermehrt Beachtung, verstanden wird sie dort aber als gesellschaftliche Strukturen, als die Verkörperungen gesellschaftlicher Werte in Gegenständen oder als materielle Zwänge, die auf den Menschen wirken. "Lebhafte Materie" schlägt einen anderen Weg ein: Bennett fordert ein transversales Denken, das die Trennung von handelndem Subjekt und behandeltem Objekt aufhebt, die Vitalität alles Materiellen und aller Materialitäten anerkennt und so einen Beitrag zu einer ökologisch verträglichen Lebensweise leistet, die weit über den so oft geforderten Schutz einer vom Menschen getrennten Umwelt hinausgeht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.06.2020
Rezensentin Andrea Roedig empfiehlt Jane Bennetts Buch von 2010 als Buch der Stunde. Die These der Autorin, Materie sei aktiv, erscheint Roedig heute höchst plausibel. Bennetts "vitalen Materialismus", der zwischen menschlichen, tierischen, mineralischen und pflanzlichen Perspektiven kaum unterscheidet, hält die Rezensentin für mehr als akademische Spielerei. Dahinter steckt für Roedig eine "zutiefst politisch-ökologische Haltung" und der Wille zu einem neuen Weltbild, das die ökologische Politik des Naturschutzes noch transzendiert. Bezüge zu Spinoza und Thoreau, Guattari und Latour sowie Beispiele für die "Macht der Dinge" und eine flüssige Schreibe machen Bennetts Ideen für die Rezensentin trotz abtrakter Begrifflichkeit nachvollziehbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2020
Der hier rezensierende Soziologe Andreas Reckwitz findet bei der Materialistin Jane Bennett anregende Impulse für die Idee von einer nicht beherrschbaren nichtmenschlichen Welt. In Corona-Zeiten umso bedenkenswerter, findet er. Bennetts im US-Original 2010 veröffentlichtes Buch setzt sich laut Reckwitz ein doppeltes Ziel: die Entwicklung einer materialistischen Ontologie sowie die Rehabilitierung der anorganischen und organischen Welt im Sinne des ökologischen Projekts. Mit Bruno Latour, der halben Philophiegeschichte und literarischen Quellen im Gepäck, so Reckwitz, verleiht die Autorin ihrem "vitalen Materialismus" Profil und bringt ihn gegen allerhand Dualismen in Stellung, indem sie Materialität als lebendig begreift. Dass Bennett mit Beispielen von Metallen oder Säuren als Handlungsträgern nicht geizt, ändert aber nichts daran, dass für Reckwitz wesentliche ontologische und politisch-ethische Fragen des Konzepts unbeantwortet bleiben.
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