Aus dem Englischen von Ulrich Enderwitz und Rüdiger Hentschel. Die Entdeckung und Eroberung Amerikas durch die Europäer war eines der einschneidensten Ereignisse in der Geschichte des Kontinents. Millionen von Menschen kamen ums Leben, viele Kulturen wurden ausgerottet; innerhalb von nur vier Jahrhunderten verringerte sich die Bevölkerung von geschätzten 7-10 Millionen auf weniger als 250.000. Das Aufeinandertreffen von Alter und Neuer Welt war seit jeher von blutigen Auseinandersetzungen zwischen europäischen Invasoren und Indianern bestimmt. Im Massaker von Wounded Knee, 1890, erreichten sie ihren tragischen Höhepunkt. Aber auch heute prägen die alten Unterdrückungsmechanismen die Politik der amerikanischen Regierung. Noch immer existiert ein verzerrtes Bild der indianischen Kultur, noch immer bestimmen Ignoranz und Missverständnisse gegenüber Ureinwohnern den Alltag der Amerikaner.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2000
Eine sehr differenzierte Kritik dieses Buches liefert Jürgen Schmidt in seiner Besprechung, die er mit einer kenntnisreichen Diskussion eurozentrischer Fehldeutungen der Indianer einleitet: als "edle Wilde" oder "rohe Barbaren" wurden sie gleichermaßen missverstanden. Wilsons Problem aber ist dies nicht, denn er schreibt aus der "Perspektive der amerikanischen Ureinwohner", und ihm ist eine "überzeugende, moderne Geschichte der Indianer Nordamerikas" gelungen, findet der Rezensent. Zwar gibt es Lücken und Ungereimtheiten: so ist die präkolumbianische Zeit allzu verkürzt dargestellt und sind die Inuit völlig ausgelassen. Und Schmidt moniert auch, dass die "Entwicklungslinien einzelner Stämme beschnitten" werden, wenn der Autor ihre Region verlässt um andere, historisch in den Vordergrund tretende Gebiete und die Konflikte dortiger Stämme mit den Weißen zu behandeln. Zudem fehlen dem Rezensenten Landkarten und eine auf den deutschsprachigen Stand gebrachte Bibliographie. Positiv wiederum vermerkt er, dass der Autor in das "realgeschichtliche Panorama" die indianischen Mythen einbezogen hat und sich damit überraschende Erkenntnisgewinne ergeben - beispielsweise aus dem Vergleich des Schöpfungsberichts der Shastika und der jüdischen Genesis. Insgesamt bleibt der positive Eindruck: für jeden, der sich für die Geschichte der nordamerikanischen Indianer interessiert, ist dies Buch derzeit "unersetzlich" - dies gilt aber nur, weil, wie Jürgen Schmidt bekümmert anmerkt, Wolfgang Lindigs Darstellung zur Geschichte der nordamerikanischen Indianer nicht mehr lieferbar ist.
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