Aus dem Englischen von Georg Schmidt. Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht. In der überfluteten Stadt treiben Leichen umher, und die Menschen versuchen panisch, ihr Hab und Gut zu retten. Die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung, während Hilfe der Behörden auf sich warten lässt. Inmitten dieses Szenarios soll Dave Robicheaux die Vergewaltigung an einem jungen Mädchen aufklären und einen verschwundenen Priester finden. Dabei müsste er sich viel dringender um den Gründer einer Bürgerwehr kümmern, der wesentlich gefährlicher ist als die vielen Verbrecher, die damit beschäftigt sind, die Stadt zu plündern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.04.2015
Fritz Göttler hat den Autor vermisst. Umso gieriger verschlingt er James Lee Burkes neuen Dave-Robicheaux-Roman auf Deutsch. Der spielt in New Orleans nach dem Hurrikan und bietet laut Göttler mehr als die Naturkatastrophe, nämlich eine nationales Verbrechen der Bush-Administration an der armen Bevölkerung und das Bild des Menschen als Wolf unter Wölfen. Für Göttler eine Art Exzessiv-Krimi, der das Soziale in die Todeszone führt, wo Plünderungen, Vergewaltigung und Rassismus blühen und nur ein paar wenige integer bleiben, wie Göttler erfährt.
Mit seinem Krimi "Sturm über New Orleans" schlägt James Lee Burke tief in "die Kerbe eines pervertierten Moralismus", berichtet Tobias Gohlis. Vor der Kulisse des von Katrina verheerten New Orleans lässt Burke vier schwarze Amerikaner einen krebskranken Priester töten, der ertrinkende Gemeindemitglieder retten wollte, und gibt, nachdem er zwei der Täter auf der Flucht sterben lässt, den anderen die Chance, sich zu ändern und Abbitte zu leisten, fasst der Rezensent zusammen. Am Ende dürfen sie sich sogar mit den Opfern aussöhnen, verrät Gohlis noch.
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