Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2005
Durchaus erfolgreich hat sich in den Augen von Carlo Caduff die historische Anthropologie als neuer interdisziplinärer Forschungsbereich etablieren können, auch wenn noch nicht abschließend geklärt sei, ob er sich der Tradition der klassischen angelsächsischen Sozial- und Kulturanthropologie anschließt oder eher der Geschichtsschreibung. Auch Jakob Tanner enthält sich in seiner Einführung eines abschließenden Urteils, was der Rezensent aber nicht weiter schlimm zu finden scheint. Als kundig lobt er Tanners durchaus programmatisch angelegte Schrift, die Marc Bloch und Lucien Febvre zu den Pionieren der historischen Anthropologie erklärt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2005
Die "Historische Anthropologie" boomt seit einem guten Jahrzehnt, schickt Florian Welle seiner Besprechung dieses Einführungsbandes von Jakob Tanner voraus. Die Fülle der Veröffentlichungen zu diesem Thema täusche darüber hinweg, betont der Rezensent, dass die Historische Anthropologie keine einzelne Fachrichtung sei, sondern eine Vielzahl von Forschungsansätzen bündele, die es alle in einer allgemeinen Einführung zu berücksichtigen gelte. Der in Zürich lehrende Historiker Tanner sei an dieser Aufgabe gescheitert, befindet Welle. Ihm sei es nicht gelungen, die großen Entwicklungslinien der Historischen Anthropologie - Welle nennt die französische Annales-Schule, die italienische Mikrohistorie, die angelsächsische Kulturanthropologie und die deutsche Alltagsgeschichte - übersichtlich darzustellen. Tanner habe es nicht dabei belassen, die Geschichte dieser interdisziplinären Wissenschaft in großen Bögen zu skizzieren, sondern versucht, jeden kleinen Seitenstrang zu verfolgen. Solches verursacht wiederum ein enormes Namedropping, bemängelt Welle, das gerade die Orientierung suchenden Leser überfordern dürfte. "Weniger wäre mehr gewesen", konstatiert er.
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