Jacques Lederer

Groß und Klein

Roman
Cover: Groß und Klein
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498039172
Gebunden, 111 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Juliane Gräbener-Müler. Während des 2. Weltkriegs bringt der Zufall im besetzten Paris zwei Jungen auf einer Schulbank zusammen, die bald ein beinahe unzertrennliches Paar bilden. Sigrand und Sip'tit, Groß und Klein, so hat ein Lehrer das ungleiche Gespann getauft. Um Freundschaft handelt es sich allerdings nicht, wenn Sip'tit nach dem Unterricht dem Größeren nach Hause folgt. Er tut es unter Zwang, denn Sigrand, der bösartige Klassengrobian, hat sein Geheimnis erraten: Sip'tit ist ein Judenkind. Den gelben Stern trägt er nicht, und aus Angst, von Sigrand erpresst zu werden, folgt er ergeben dessen Launen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2004

Niklas Bender schwingt sich zu höchstem Lob auf und ordnet Jacques Lederers "kurzen und wunderbaren Roman" dem Genre französischer autobiografischer Belletristik über den Holocaust zu, die ähnlich wie die Bücher von Imre Kertesz aus der Perspektive von Kindern auf die Ereignisse blickt, aber anders als dieser das Schrecken der Konzentrationslager selber nicht darstellt: "Beides - der Rückblick durch Kinderaugen und die indirekte Schilderung der Vernichtung - suggeriert einen normalen Kontext, in den das Grauen einbricht. Dieses Verfahren bringt den Spätgeborenen die oft als unrepräsentierbar bezeichneten Gräuel extrem nahe." In Lederers Roman gehe es um die Geschichte zweier Kindheitsfeinde: Der Erzähler ist Opfer der Brutalität eines anderen Jungen, doch es ist letzterer, der nicht entkommen kann und deportiert wird. Bender hebt Lederers "abgründigen Humor" und seine "Stilsicherheit" hervor und erinnert daran, dass die Bücher von Überlebenden "wertvolle Schlüssel" sind - übergeben an die Nachgeborenen in Form von Literatur.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2004

Ein an die eigene Biografie angelehntes "irrwitziges Porträt der Kriegs- und Nachkriegszeit" zeichnet der 1933 geborene Jacques Lederer in seinem kurzen Roman "Groß und Klein". Thomas Laux stellt das Buch in die Tradition Louis Malles' Film "Au revoir les enfants" und Robert Bobers "Berg et Beck". Im Zentrum des Romans, der zum einen im Paris von 1942, zum anderen in einem Sanatorium Ende der Vierziger spielt, steht die "kuriose Beziehung" zweier Jungen (Sigrand und Sip'tit), "ein denkwürdiges Abhängigkeitsverhältnis, oszillierend zwischen Angst, Faszination und diffusem Schuldgefühl". Die auf Erpressung und Bestrafung ausgerichteten Machtspiele spiegeln die Geflogenheiten der Gestapo und der SS in kindlich brutaler Zuspitzung wider. Lederer erzählt "mit subtilem Blick" und "ohne etwas zu beschönigen". Der zeitliche Sprung wirkt auf Thomas Laux "zunächst wie ein Bruch". Geschildert werden im zweiten Teil jedoch das Wiedersehen der Protagonisten und die nach seiner Internierung in einer "bizarren Szene" gipfelnde Wandlung des einst Stärkeren.