Herausgegeben von Christoph Weiss. Die Bedeutung von Jakob Michael Reinhold Lenz als dem neben Goethe wichtigsten Autor der Sturm-und-Drang-Generation ist heute ebenso unbestritten wie sein Rang als Dramatiker. Gleichwohl gibt es bis heute keine umfassende und zuverlässige Gesamtausgabe seiner Texte. Von den Erstausgaben seiner Werke haben sich in den Bibliotheken und Archiven nur noch wenige Exemplare erhalten. In Anbetracht dieser Situation hat die Faksimile-Edition der Erstausgaben seiner zu Lebzeiten selbständig erschienenen Texte drei Ziele: Zum einen dient sie der ?Konservierung? und Tradierung der noch vorhandenen Originalausgaben. Zum anderen vermittelt die Präsentation der Erstausgaben einen wichtigen Eindruck von der zeitgenössischen Physiognomie des Autors Lenz, also von der Wahrnehmung durch seine Leser und Kritiker in der literarischen Öffentlichkeit der 1770er Jahre. Vor allem jedoch bietet die Ausgabe den heutigen Lesern die Lenzschen Werke erstmals in einer von Modernisierungen und Normalisierungen unbeeinträchtigten Gestalt dar. Die Ausgabe enthält neben den fünfzehn Faksimiles der Einzelwerke im Anhang sämtliche ermittelten zeitgenössischen Rezensionen zu den jeweiligen Texten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.02.2001
Dieser neue Lenz gefällt dem Rezensenten ausnehmend gut. "Frisch" nennt er ihn und meint damit die Ermöglichung eines Blicks auf diesen Zeitgenossen Goethes jenseits von Scheelsucht (wie in Goethes Lebenserinnerungen) und dem Büchnerschen Mitleid. Der Herausgeber der 12 Bände, schreibt Rolf-Bernhard Essig in seiner Besprechung, bietet nicht nur den Originaltext "ohne die sonst üblichen willkürlichen Modifikationen", sondern hat zu jedem Werk zeitgenössische Rezensionen "so umfangreich wie nirgends sonst" gesammelt, die die unmittelbare Reaktion der Kritik wiedergeben. So trete dem Leser aus den alten Blättern "ein frischer Lenz" entgegen - passend, beinahe, zur Jahreszeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2001
Frank Schäfer stellt den Sturm-und-Drang-Dichter Lenz vor, der durch Goethe seine literarische Initialzündung erhielt und an diesem Schlachtschiff der Weimarer Klassik gnadenlos zerschellte. Im zweiten Teil des Artikels kommt Schäfer zum eigentlichen Rezensionsvorhaben: eine neue zwölfbändige Werkedition, die die Faksimiles der Erstausgaben der zu Lenz` Lebzeiten erschienenen Texte enthält. Schade, meint Schäfer, dass es zu einer historisch-kritischen Edition nicht gereicht hat. Er betrachtet die vorliegende Werkedition als Vorarbeit für ein solches Projekt: noch sei beispielsweise der handschriftliche Nachlass nicht aufgearbeitet, aber immerhin in einem Gesamtverzeichnis zu erahnen. Die Beschränkung der Herausgeber auf die Faksimiles der Erstausgaben bietet in den Augen Schäfers durchaus auch Schönes : authentische Textfassungen, die Lenz` in Orthografie und Interpunktion abweichende Schreibweise erhält, sowie das originale Schriftbild. Zeitgenössische Kritiken komplettieren laut Schäfer die Werkedition.
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