J. M. Coetzee

Was ist ein Klassiker?

Essays
Cover: Was ist ein Klassiker?
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100108180
Gebunden, 336 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Weltweit berühmt als Autor bedeutender Romane ist J. M. Coetzee, Träger des Literaturnobelpreises 2003, als Essayist hierzulande noch zu entdecken. Aus seinem umfangreichen literaturkritischen Werk, das mittlerweile in vier Bänden vorliegt, hat der Autor unter dem Titel "Was ist ein Klassiker?" eigens für diesen Band Essays zur europäischen Literatur von der Renaissance bis zur Gegenwart ausgewählt, in denen immer wieder auch die Frage der Zensur, sei es einer inneren oder einer äußeren, im Mittelpunkt steht. Die Wahrheit des Individuums innerhalb der Geschichte ist das zentrale Motiv in Coetzees Werk, das seine essayistischen Arbeiten mit seinen literarischen verbindet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2007

Pia Reinacher bejubelt die seltene Gabe des südafrikanischen Autors J. M. Coetzee, gleichermaßen dichterisch inspiriert und zum analytischen Denken befähigt zu sein. Das zeigt sich ihrer Ansicht auch in dem Sammelband mit Vorträgen, Zeitungsartikeln und Essays, die sich mit den verschiedensten Themen vor allem der europäischen Literatur befasst. Die Rezensentin macht als roten Faden, der die Texte eint, die Frage nach "Wahrhaftigkeit und Lüge" aus, der er zum Beispiel in seinem Aufsatz über "Ossip Mandelstam und die Stalin-Ode" oder in seinem Essay über die letzten Lebensjahre Robert Walsers nachgeht. Die beherzte Suche Coetzees nach der Wahrheit nimmt die Rezensentin sehr ein, und sie genießt so manche Erkenntnis des Autors als überaus anregend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.01.2007

Am meisten beeindruckt zeigt sich Rezensentin Renate Wiggershaus von vier Essays, in denen es um Künstler und Zensur gehe. Besonders bei Ossip Mandelstams berühmter Stalin-Ode gelänge J. M. Coetzee eine "subtile" und "pointierte" Interpretation, wonach das Gedicht nur vordergründig von Stalin handele, im Kern aber von der "Verzagtheit", ebendieses Gedicht zu schreiben. Coetzee zufolge handele solche Literatur von der Kraft und Autonomie der Kunst. Und ein Klassiker sei dann, was auch die "Barberei" überdauere. Von den anderen Essays des Bandes zu Robert Walser, Walter Benjamin und Robert Musil ist die Rezensentin weniger angetan. Sie böten gegenüber der reichhaltigen Forschungsliteratur doch kaum Neues. Coetzees Kritik an Benjamins Erzähltheorie findet sie gar "befremdlich", da er den doch wesentlichen geschichtsphilosophischen Hintergrund ignoriere. Ein alle Essays verbindender Gedanke, so die Rezensentin, sei J. M. Coetzees Interesse für eine Kunst, die gewissermaßen ums Überleben kämpfen müsse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Nicht nur die herausragende Qualität der Essays macht die vorliegende deutsche Ausgabe so begrüßenswert, schreibt der beeindruckte Rezensent Andreas Dorschel, auch die Tatsache, dass das Sprachengenie Coetzee sich eingehend und erhellend mit der deutschen Literatur beschäftigt. In diesen Essays zeige J.M. Coetzee einmal mehr, welch fruchtbare Verbindung "Souveränität" und "Akribie" miteinander eingehen können. Etwa wenn er im titelgebenden Essay "Was ist ein Klassiker?" (ein Zitat aus einem Essay von T.S. Eliot) den Umweg über Eliots Lebensgeschichte nehme, anstatt sich mit den Thesen des Essays auseinanderzusetzen. Eben weil sein Leben, so die schließliche Erkenntnis des Rezensenten, bei weitem besser das Wesen des Klassikers illustriert als der Essay. Auch den Essay "Anstoßnehmen", dessen Analyse von Empörung und Machtverhältnissen den paradoxen Bund von Anstoßnehmen und Anstoßgeben zu Tage treten lässt, hält der Rezensent für ausgezeichnet und erwähnenswert. Verärgert nimmt er allerdings erhebliche sprachliche Schnitzer bei der Übersetzung zur Kenntnis und zweifelt an der Existenz von Lektoren im Verlag.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

Angela Schader freut sich über die Entscheidung des Fischer-Verlages, den zweiten Essay-Band des südafrikanischen Literatur-Nobelpreisträgers in der für derartige Textsammlungen üblichen Form zu veröffentlichen und nicht durch eine fiktive Erzählerfigur literarisch aufzupeppen, wie das bei der ersten deutschsprachigen Veröffentlichung von Essays aus der Feder J. M. Coetzees vor zwei Jahren geschehen war. In dem nun vorliegenden Band sind Texte aus dem Zeitraum von zwanzig Jahren versammelt, die größtenteils recht unterschiedliche Themen bearbeiten, für die Rezensentin ihren "Kernbegriff" letztlich aber in dem der Wahrheit finden. Schader bezweifelt, dass alle Beiträge glücklich ausgewählt wurden, für sie ist die ein oder andere Untersuchung verzichtbar, doch bewundert sie unterm Strich die akribischen Studien zu Kafka, Dostojewski und anderen als "Etüden in intellektueller Gewissenhaftigkeit".
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