J.J. Abrams, Doug Dorst

S. - Das Schiff des Theseus

Roman
Cover: S. - Das Schiff des Theseus
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2015
ISBN 9783462047264
Gebunden, 522 Seiten, 45,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Tobias Schnettler und Bert Schröder. Eine junge Studentin findet in der Bibliothek ein Buch, in das ein anderer Student Hunderte von Randbemerkungen gekritzelt hat, offenbar im Bemühen, der wahren Identität des unter Pseudonym schreibenden Autors V. M. Straka auf die Spur zu kommen. Die junge Frau ist fasziniert und ergänzt die Notizen mit eigenen Mutmaßungen. Zwischen den beiden Studenten Jen und Eric entspinnt sich eine lebhafte Unterhaltung, die allein auf den Seiten des Romans "Das Schiff des Theseus" stattfindet. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem mysteriösen Autor V. M. Straka. Ein unbekannter Übersetzer hat den Roman herausgegeben und ihn mit teilweise verwirrenden Fußnoten versehen. Doch die beiden finden heraus, dass diese Fußnoten einen geheimen Code ergeben, der ihnen Informationen liefert, die der Straka-Forschung bisher völlig unbekannt waren. Was wie ein Spiel beginnt, wird im Laufe der Zeit bitterer Ernst, denn jemand scheint Interesse daran zu haben, dass die Identität des Autors nicht gelüftet wird. Jen und Eric geraten in gefährliche Verstrickungen, die sie fast das Leben kosten. Ein Roman, der zeigt, was ein Buch anrichten kann. In der Literatur und im Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Auf jede Menge Rätsel trifft Tilman Spreckelsen in diesem Buch von J. J. Abrams und Doug Dorst. Was Autoren, Verleger und die Buchdruckkunst hier leisten, findet er schon mal phänomenal. Ein Buch mit verschiedenfarbigen handschriftlichen Marginalien, Bibliothekssiegeln, Stempeln, Zeitungsausschnitten, Unterstreichungen, Verschmutzungen - ein guter Witz, findet Spreckelsen und ein Frontalangriff aufs E-Book. Dass der Band außer den Lektürespuren auch noch mindestens zwei Lektürestränge zu bieten hat, die hübsch hermeneutisch von vorn nach hinten und wieder zurück gelesen sein wollen, scheint dem Rezensenten fast zu anstrengend. Doch der Roman im Roman und die Fußnoten des Übersetzers ergeben zusammen dann doch spannende und lustvolle Lektüre, versichert Spreckelsen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.10.2015

Schade, schade, seufzt Richard Kämmerlings. Die ultimative authentische Metafiktion im Kampf des gedruckten Buches gegen seine digitale Übernahme ist das Buch vom Autorenteam J. J. Abrams und Doug Dorst mitnichten für ihn. Allzu künstlich ist der Nachgeschmack nach der Lektüre für den Rezensenten. Die überschlaue Konstruktion des Ganzen scheint ihm aufdringlich alles zu verdrängen: die opulente Ausstattung mit Lesezeichen und an den Rand gekritzelten Marginalien, die eher schmale, laut Kämmerlings an Kafka und Joseph Conrad orientierte Handlung des Binnenromans, die einen Gedächtnislosen auf Selbstfindungsreise schickt, schließlich die Annahme, der ganze Text sei eine geheime Botschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2015

Rezensent Nicolas Freund scheint etwas ratlos angesichts des von dem Filmemacher J.J. Abrams und dem Romanautor Doug Dorst verfassten Textes. Zwar erinnert ihn die Verschmelzung von Roman und Kommentaren unter Verwendung verschiedener Perspektiven und rätselhafter Identitäten in einem Text an J. M. Coetzees "Tagebuch eines schlimmen Jahres" oder auch an Arno Schmidts "Zettels Traum". Umwerfen kann ihn so ein literarisches Experiment, das auf das Spiel mit mehreren Textebenen setzt, jedoch nicht wirklich. Der Roman im Roman etwa liest sich für ihn streckenweise so, als hätten Kafka und Karl May ihn besoffen verfasst. Die deutsche Übersetzung von von Tobias Schnettler und Bert Schröder allerdings findet Freund immerhin bemerkenswert glaubwürdig.
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