Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. "Klebstoff" erzählt die Geschichte von vier Jungs, die in einer Hochhaussiedlung in Edinburgh heranwachsen und die - so verschiedene Wege sie auch gehen - selbst mit Mitte dreißig noch zusammenhalten. Vier Jungs, die zu Männern werden, und zu was für welchen. Terry Lawson, ein Macho-Arschloch, dennoch nicht ohne Charme, auch wenn er mit 30 noch bei seiner Mutter lebt. Billy Birrell, Boxer und Geschäftsmann, ein kontrollierter Typ, der auf Distanz von seinen Freunden geht und froh sein muss, dass sie ihn trotzdem nicht fallenlassen. Carl Ewart, ein Sensibelchen, dessen Vater die für alle Ewigkeiten gültigen zehn Gebote aufgestellt hat, deren oberstes lautet: Verpfeife niemals einen Freund. Und Andrew Galloway, die tragischste Gestalt unter den vieren, der sich an den Ehrenkodex der Freunde hält und dafür teuer bezahlen muss...
Gerrit Bartels konstatiert zwar eine "Rezession auch im Mutterland der Clubkultur", der Vorzeigeschreiber der Rave-Generation Irvine Welsh arbeitet sich jedoch weiter an seinen bevorzugten Themen "Sex, Drogen und Fußball" (und natürlich Musik) ab. Ihm ewig gleiches vorwerfen, will Bartels jedoch nicht, er gesteht dem Autor durchaus gewachsene Ansprüche und auch eine gelungene Umsetzung dieser Ansprüche zu. Richtig in die Psychologie der Charaktere eingestiegen ist Welsh diesmal, findet Bartels und dafür "riskiert er einen zähen Beginn", weil er früh in der Kindheit seiner Protagonisten anfängt. Dramaturgisch stimmt die ganze Geschichte unterm Strich nach Bartels' Meinung aber doch: "Gezielt bündelt er seine tausend Erzählstränge auf ein Ereignis hin". So weit, so gut, das letzte Fazit des Rezensenten macht dann aber doch etwas stutzig: "Klebstoff" sei besser als jede Vorabendsoap, findet Bartels, und man fragt sich, was genau das bedeutet.
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