Soziale Gerechtigkeit setzt sich - in einem magischen Viereck verwoben - aus Chancen-, Leistungs-, Bedarfs- und Generationengerechtigkeit zusammen. Irene Becker und Richard Hauser erörtern diese Interdependenzen und folgern, dass die Gewährleistung formaler Zugangsgerechtigkeit keineswegs hinreichend ist, um faktische Chancengleichheit zu erreichen. Vor diesem Hintergrund untersuchen die Autoren, wie sich die Rahmenbedingungen zur Realisierung von sozialer Gerechtigkeit entwickelt haben; und sie interpretieren eine Vielzahl von empirischen Indikatoren, die etwas zur Zielannäherung aussagen können. Dabei ergibt sich ein zwiespältiges Bild: Einerseits sind Verbesserungen vor allem beim Angebot außerhäuslicher Kinderbetreuung und Impulse zur Angleichung der Berufschancen von Männern und Frauen sichtbar. Andererseits sind die Hürden im Bildungsbereich für untere Einkommensschichten anhaltend hoch, und bei den Einkommen schwächt sich der ausgleichende Effekt des Steuer-, Abgaben- und Transfersystems ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2011
Ein Buch für alle an Sozialpolitik interessierte Menschen, vor allem aber für die politischen Akteure unter ihnen, empfiehlt Diether Döring in seiner Besprechung. In Irene Becker und Richard Hauser hat der Band ein Herausgeberpaar, das laut Rezensent stetig an der Verfeinerung der Instrumente zur Untersuchung des Verteilungsproblems gearbeitet hat. In vier Teilen erfährt Döring nun, was sich damit beginnen lässt. Nämlich soziale Gerechtigkeit und ihre institutionellen Bedingungen unter den Aspekten Chancen, Leistung, Bedarf und Generationen untersuchen und ihre tatsächliche Umsetzung in empirischen Analysen herausarbeiten. Die Spannungen und Defizite, die die Autoren dabei zutage fördern, wirken auf den Rezensenten reinigend. Einfache Antworten zum Thema hält er spätestens nach dieser Lektüre für unangebracht.
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