Wollte man in Analogie zum Bloomsday des Ulysses für Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" einen Ulrichtag aus der Taufe heben, es wäre der 7. August 1913. An diesem Tag fertigte Musil eine Zeichnung von Straßenzügen, Plätzen und Gebäuden im 3. Bezirk Wiens an. Acht Jahre später zog er selbst hierhin und begann mit der Arbeit an seinem großen Roman. Dieser steht heute wie ein Solitär in der europäischen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts - das meiste überragend und doch fremd. Inka Mülder-Bach lädt dazu ein, Musils Hauptwerk neu zu entdecken: Dabei setzt sie anders als bisherige Studien nicht bei seinen Figuren, Reflexionen und Kontexten, sondern bei seiner bis heute einzigartigen Form an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2014
Gelockt von Erfolg der nunmehr in zweiter Auflage vorliegenden Studie der Germanistin Inka Mülder-Bach, gelockt auch vom vielversprechenden Klappentext ackert sich Oliver Pfohlmann schon bald ächzend durch die übliche Akademikerprosa. Von wegen Publikumsverlag gleich Publikumsfreundlichkeit. Als Einladung, den Roman ein weiteres Mal nicht zu Ende zu lesen, nimmt Pfohlmann das Buch dennoch nicht. Denn die Autorin gibt dem Rezensenten durchaus brauchbare Hinweise für eine neuartige Lektüre, indem sie etwa nach der narrativen Funktion der Wissenschaftsdiskurse im Text fragt, nach dem Wechselspiel von Form und Inhalt. Ist Ulrichs Ausstieg aus der Eisenbahn womöglich genau der Ausstieg aus dem Zug der Zeit, vom dem der Erzähler zuvor fantasierte? Was hat die Einrichtung von Ulrichs Schlösschen mit der literarischen Einrichtung des Romans als Genre zu tun? Fragen, auf die Pfohlmann bei Mülder-Bach Antworten findet, wenn auch mitunter haarscharf an der Spekulation vorbeigehende.
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