Inga Markovits

Gerechtigkeit in Lüritz

Eine ostdeutsche Rechtsgeschichte
Cover: Gerechtigkeit in Lüritz
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406550546
Broschiert, 303 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Bei ihren Recherchen zum Rechtsalltag in der DDR entdeckte die Rechtshistorikerin Inga Markovits im Keller des Gerichtsgebäudes einer ostdeutschen Kleinstadt das komplette Gerichtsarchiv aus vier Jahrzehnten realsozialistischer Rechtsprechung. In diesem Buch erzählt sie von dem Aktenfund und davon, was diese Akten verraten. Ihre "dichte Beschreibung" des Alltagslebens in der DDR entreißt die vielen kleinen Geschichten der Vergänglichkeit des Augenblicks und gibt den Blick auf Muster frei, die das Handeln der Menschen bestimmten.
Lüritz gibt es nicht. Aber es gibt die malerische ostdeutsche Kleinstadt, die sich hinter diesem Namen verbirgt, und es gibt das große Gerichtsgebäude, in dem heute das Amtsgericht sitzt und in dessen Kellern Inga Markovits den Aktenschatz fand, der zur Grundlage für dieses Buch wurde. Die Ein- und Ausgänge einer vierzigjährigen sozialistischen Gerichtspraxis waren - mangels Personal - einfach gebündelt und weggeräumt worden: Haftbefehle und Bürgerschreiben, Arbeitspläne und Richternotizen, Anweisungen von oben und Anfragen von unten, Dienstliches und Menschliches. Die Rechtshistorikerin, die wissen wollte, welche Rolle das Recht der DDR denn nun im Leben seiner Bürger spielte, war bei ihrer Spurensuche auf Gold gestoßen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.02.2007

Als "wunderbares Buch" lobt Rezensent und Rechtswissenschaftler Uwe Wesel diese "DDR-Rechtsgeschichte von unten", mit dem die Autorin ihr Buch "Die Abwicklung" aus seiner Sicht noch übertroffen hat - für den Rezensenten bislang das beste, was zur DDR-Justiz je geschrieben wurde. Denn aus seiner Sicht stellt die Juraprofessorin in ihrem neuen Werk nicht nur vieles richtig, sondern wirft darüber hinaus einen sensiblen Blick auf das Zerrbild von der "guten westdeutschen Justiz" und der "bösen" im Osten. Für ihr Buch hätte die Autorin tonnenweise Akten studiert und Betroffene befragt, Juristen, Staatsanwälte, Kläger und Beklagte. Dabei zeichne sie noch einmal nach, auf welchen richtigen und falschen Wegen die DDR-Rechtssprechung versuchte, den Traum von einer besseren Gesellschaft zu unterstützen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2006

Von diesem Blick in die DDR-Rechtsgeschichte ist Michael Stolleis begeistert und er preist die Empathie und Authentizität, mit der Inga Markovits das Buch geschrieben hat, als einzigartig. Die Autorin verlege sich bei ihrer Analyse der Justiz-Akten von 1945 bis 1989 aus der Kleinstadt Lüritz und der Auswertung von Interviews nicht auf das Anklagen einer ungerechten Justiz, sondern demonstriere, wie ein Staat vom euphorischen Anfang bis zum Scheitern an den ökonomischen und politischen Widersprüchen zugrunde geht, so der Rezensent fasziniert. Deutlich wird für den beeindruckten Rezensenten, dass die Justiz in der DDR keine unabhängige "Dritte Gewalt", sondern ein Handlanger des Staates war. Stolleis hebt die gute Lesbarkeit dieser Studie hervor und zeigt sich vom frischen und lebendigen Ton, mit dem Markovits ihre Funde vorträgt, sehr angetan.
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